XX.
Die weiterführenden und berufsbildenden Schulen
Von Günther Böse

1. Die Städtische Töchterschule

In Traben-Trarbach bestand von 1906 bis 1937 eine städtische höhere Mädchenschule, auch Töchterschule genannt. Ihre Vorläuferin war, wie in vielen rheinischen Städten, eine im 19. Jahrhundert gegründete private Mädchenschule. Am Anfang dieser Entwicklung stand das 1823 mit der Genehmigung des königlich-preußischen Konsistoriums eingerichtete ,,Weibliche Erziehungsinstitut" der Geschwister Hack in Traben am Moselufer (heute Haus Ulrich Langguth), ein Pensionat für höhere Töchter. Nach dem Tod der Leiterin Charlotta Wilhelmine Hack 1857 führte Ottilie Wendt die kleine Schule weiter, zuerst nach dem großen Brand in Wolf (Haus Karp), dann aber 1862 in Trarbach (Grabenstraße). 1887 übernahm Hedwig Schultze das Institut in Trarbach (heute Haus Hannesen, Wildbadstr. 40). Infolge Rückganges der Besucherzahlen war die Schule, deren früher von Ausländerinnen gern besuchtes Pensionat schon einge­gangen war, seit 1899 existenzbedroht. Trotz erhöhten Schulgeldes, eines städtischen Zuschusses seit 1902, der Bildung eines Kuratoriums aus Elternkreisen unter Vorsitz des Gymnasialdirektors konnte die Schule sich nicht am Leben erhalten, zumal auch die über sechzig Jahre alte Leiterin den Anforderungen der Zeit nicht mehr gewachsen war. Die Töchterschulen des 19. Jahrhunderts waren vornehmlich moralisch-ästhetisch geprägt. Erst 1894 kam es zu einer Vereinheitlichung des Mädchenschulwesens in Preußen. Aber auch danach dachte man bei der Mädchenerziehung noch nicht an eine Vorbildung für einen akademischen Beruf, vielmehr sollte die Mädchenschule (vom 6. bis zum 16. Lebensjahr in 9 Klassen) eine Allgemeinbildung für Haus und Gesellschaft vermitteln. Die einzige weibliche Berufsausbildungsstätte war damals das Lehrerinnenseminar.

Am 10. August 1905 beschloß die Stadtverordnetenversammlung der gerade vereinigten Stadt die Errichtung einer öffentlichen, paritätischen höheren Mädchenschule, da ein dringendes Bedürfnis für eine solche Schule bestand. Die Leiterin der bisherigen Privatschule wurde mit einer Rente abgefunden, gleichzeitig aber betont, daß es sich nicht um eine Übernahme, sondern um eine Neugründung einer Schule handele.

Die Königliche Regierung in Koblenz, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen, genehmigte den Stadtratsbeschluß mit der Auflage, drei Lehrerinnenstellen auszuschrei­ben, die Gehalts- und Schulgeldsätze zu fixieren und ein geeignetes Schullokal herzurichten. Trotz lebhafter Einwände von Bürgern aus Trarbach, wo seit Menschengedenken die Mädchenschule bestanden habe, wurden fünf Räume des freigewordenen Trabener Rathauses als Schule eingerichtet. In diesem Gebäude an der Bahnstraße, in dessen Hof alte Kastanienbäume Schatten spendeten, blieb man bis 1937. Der Turnunterricht fand nachmittags in der Turnhalle des Gymnasiums in Trarbach statt.

Die Stadtverordneten, beraten von einer Kommission, bestehend aus Gymnasialdirektor Dr. Schmidt, Pfarrer Beumelburg, Apotheker Mallmann, den Weingroßhänd­lern Dr. Breucker, H. P. Rumpel, Louis Haussmann- Emert, wählten dann zur Vorsteherin der neuen Schule aus sieben Bewerbungen die zweiunddreißigjährige Bertha Brinkman, die vorher eine Privatmädchenschule in Essen-Kupferdreh geleitet hatte. Aus 77 Bewerberinnen wählten die Stadtverordneten als Lehrerinnen Eveline Bender (29 Jahre, aus Kupferdreh) und Cäte Reimann (28 Jahre, aus Lübeck). Am 24. April 1906 wurden die neue Leiterin und die Lehrerinnen vom Königlichen Kreisschulinspektor Wolff aus Zell eingeführt, der Unterricht mit 45 Schülerinnen (davon 29 der aufgelösten Schultze-Schule) in vorläufig fünf Klassen aufgenommen. Der Vorzug dieser Schule während ihres ganzen Bestehens waren kleine Klassenfrequenzen, durch die ein sehr gutes Eingehen auf jede Schülerin möglich war. Als ein Jahr später eine 6. Klasse eingerichtet wurde, stellte die Stadt als vierte planmäßige Lehrerin Christi Reimann (23 Jahre), eine Schwester der vorgenannten Cäte Reimann, ein. Diese vier Damen sollten bis zu ihrer Pensionierung den Stamm des Lehrkörpers bilden. Bei ihrer Anstellung auf Lebenszeit mußten sie noch den Passus unterschreiben, im Falle einer Verheiratung aus dem Dienst zu scheiden. 1907 wurde auf Anordnung der Regierung ein elfköpfiges Kuratorium für die Schule auf jeweils sechs Jahre gewählt, das für die innere und äußere Ausstattung, die Ausgaben und das Schulgeld (130 Mark jährlich bis 1918) verantwort­lich zeichnete. Der Bürgermeister hatte die örtliche Schulaufsicht, die pädagogische Leitung lag bei der Schulleiterin. Weitere ständige Mitglieder waren die zwei Beigeord­neten, gewählte Mitglieder waren zwei Stadtverordnete, zwei pädagogisch erfahrene Personen (meist die Leiter des Gymnasiums und der Volksschule), der älteste evangelische und der katholische Ortspfarrer und eine vom Lehrerkollegium gewählte Lehrerin. Die Töchterschule war im Regierungsbezirk Koblenz eine von zehn dieser Art, die einzige an der Mosel zwischen Koblenz und Trier. Ihr Einzugsgebiet reichte von Bernkastel bis Zell/Bullay, im Hunsrück bis Büchenbeuren. Die Schülerinnenzahl betrug 1908 bereits 66, ab 1915 stieg sie weiter an.

Die ersten Jahre nach der Schulgründung unterrichtete man nach dem preußischen Lehrplan von 1894, der zwei Fremdsprachen (Französisch in der untersten Klasse, Englisch ab Tertia) vorschrieb, sich aber in Rechnen und Naturkunde in bescheidenen Grenzen bewegte. Als die preußische Mädchenschulreform vom 18. August 1908 den Forderungen der Frauen nachkam, die nach voller Entfaltung ihrer Persönlichkeit und nach einer der Knabenerziehung gleichwertigen, nicht aber gleichartigen Mädchenbildung verlangten, wurde ab 1909 Mathematik eingeführt und der naturkundliche Unterricht erweitert. Problematisch wurde für die Töchterschulen in den Kleinstädten durch diese Reform die Auflage, daß die Hälfte des wissenschaftlichen Unterrichts von einer akademisch vorgebildeten Lehrerin erteilt werden müßte. Die in Traben-Trarbach angestellten Lehrerinnen waren alle seminaristisch ausgebildet. Schulen, die aus finanziellen Gründen die neuen Bestimmungen nicht befolgen konnten, verloren ihren Charakter als ,,höhere" Schulen und erhielten die Bezeichnung ,,gehobene" Mädchenschule; so auch in Traben-Trarbach, wo der Stadtrat wegen des daniederliegenden Weinhandels dem Antrag der Rektorin auf Einstellung einer wissenschaftlichen Oberlehrerin nicht entsprach. Das Kuratorium hatte 1909 auch erstmals Mehrausgaben von 2224 Mark zu bewilligen - bis dahin deckte das eingehende Schulgeld die anfallenden Kosten - durch die Anpassung an die neue Lehrergehaltsordnung und den Beitritt zu einer Lehrerpensionskasse. Daher beantragte die Stadt beim preußischen Ministerium für die geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten einen Ergänzungszuschuss von 1500 Mark, auf den sie - er stieg später erklecklich an - von da an nicht mehr verzichten konnte. Als in den nächsten Jahren die anerkannten Mädchenschulen in Lyzeen umbenannt wurden, erhielt die ,,gehobene" Mädchenschule wieder die Bezeich­nung einer höheren Schule. Sie erhielt dabei die wertvolle Berechtigung, nach den Lehrplänen der Lyzeen zu unterweisen und so in etwa dessen Ziele zu erreichen, ohne dem Schulträger zu hohe Unkosten zu verursachen. Der preußische Ministerial- Erlaß vom 5. Juli 1914 ermöglichte so auch der Töchterschule eine schultechnische Anbindung an ein öffentliches Lyzeum, und zwar an die Staatliche Hilda-Schule in Koblenz, eine Verbindung, die bis zur Auflösung der Töchterschule im Jahre 1937 bestand. Der Direktor dieses Oberlyzeums, OStD   Dr. Müller, nahm ab 1916 jährlich vor Ostern mit einem Regierungsvertreter die Abschlußprüfung der Obertertia in Traben-Trarbach ab. Die Schülerinnen, die auf ein Oberlyzeum übergehen wollten, mußten in Koblenz die Prüfung für die mittlere Reife und die Aufnahme in das Oberlyzeum ablegen.

1918 unterrichteten fünf hauptamtliche Lehrerinnen - die fünfte Planstelle war der Parität wegen mit der katholischen Lehrerin Erna Wolff besetzt worden    86 Schülerinnen (70 evangelisch, 13 katholisch, 3 israelitisch) in sechs Klassen, nebenamt­lichen Unterricht erteilten die drei Ortspfarrer (]e zwei Stunden Religion) und Musiklehrer Gschwend (vier Stunden Gesang). Volksschullehrer gaben zeitweise Rechenunterricht. Der Erste Weltkrieg belastete die Töchterschule weniger als das Gymnasium. Die Mädchen beteiligten sich fleißig bei Sammlungen aller Art und schickten Liebesgaben an die Front.

Nach dem Kriege verstärkte sich im Zuge der Demokratisierung des öffentlichen Lebens der Zugang zur Töchterschule, die bis dahin eine Privilegiertenschule war. Von 1919 an stieg die Besucherzahl von 90 bis auf 109 im Jahre 1922, in dem die Schule ihre höchste Schülerzahl verzeichnete. Eine sechste Lehrerin (Else Knod) wurde eingestellt, aber nicht eine Planstelle errichtet. 1921 wurde der Stadtbürgermeister von der Schulaufsicht entbunden, statt dessen die Schule unmittelbar dem Direktor der Hilda-Schule in Koblenz unterstellt. 1922 beantragten die Eltern - ein erster Elternbeirat hatte sich konstituiert - die Einrichtung einer ersten weiterführenden Klasse, der Untersekunda (UII), da infolge der wirtschaftlichen Not und der politischen Krise die Kosten für eine auswärtige Unterbringung zum Lyzeumsbesuch in Koblenz oder Kreuznach kaum erschwinglich seien. Die Regierung genehmigte - im Gegensatz zum gleichen Antrag 1911 - die Einrichtung dieser Klasse als Privatschule mit der Auflage, eine wissenschaftliche Lehrerin anzustellen. So wurde die neue Leiterin dieser Privatklasse für ein Jahr, die Studienassessorin Dr. Alfonse Schöny, die nebenamtlich auch in den anderen Klassen unterrichtete, von den Eltern der elf Schülerinnen bezahlt. Das Schulgeld für diese Sekundanerinnen war 1921 mit 300 Mark doppelt so hoch wie das der anderen Schülerinnen.

Drei Umstände bedrückten seit Mitte der Zwanzigerjahre die städtische Töchterschu­le: die Dritte Mädchenschulreform, die finanzielle Belastung durch die behördlich geforderte Erhöhung der Planstellen und die damit verbundene Lehrerinnenfluktuation und schließlich der Rückgang der Schülerinnenzahl. Die Neugestaltung des höheren Mädchenschulwesens von 1923 versetzte auch die Töchterschule in Unruhe. Diese Reform glich nämlich die Mädchenschulen nach Schuldauer, Lehrplan und Lehrerzusammensetzung den Jungenschulen so stark an, daß durch die Neuordnung des gesamten preußischen höheren Schulwesens 1925 auch den höheren Mädchenschulen dieselben Lehrziele gesetzt werden konnten. Sie mußten jetzt entweder zu echten Lyzeen oder zu Mittelschulen umgestaltet werden. Die Stadt Traben-Trarbach war aber wie die meisten Kleinstädte finanziell nicht in der Lage, die Bedingungen zum Lyzeumsausbau zu erfüllen. Nach vergeblicher Intervention des Rheinischen Städtetages genehmigte die Regierung 1926 die Umwandlung in eine Mittelschule unter Beibehaltung der Bezeichnung ,,Höhere Mädchenschule". Unterrichtet werden sollte nach dem sogenannten Plan 5 der Mittelschule, der sowohl eine abschließende Bildung als auch einen erleichterten Übergang auf eine höhere Lehranstalt vermittelte. Das bedeutete für die Schule eine gründliche Umarbeitung des Lehrplans in Mathematik, in den Fremdsprachen und in Geschichte. Man behalf sich gegen die Vorschrift mit einem selbstgebastelten Unterrichtsplan und erzielte damit gute Ergebnisse, die die Koblenzer Prüfungskommission wiederholt bestätigte. Die schwierige wirtschaftliche Lage, besonders die immer geringer werdenden Steuereinnahmen, belasteten die Stadt überaus, die ja auch noch andere Schulen unterhalten und bezuschussen mußte. Im Etat der Mädchenschule standen 1930 den Einnahmen von 25 693 RM Ausgaben von 53 381 RM gegenüber.

1928 waren von 87 Mädchen (in sieben Klassen) 60 aus dem Schulort, 27 auswärtig. Letztere mußten mehr Schulgeld bezahlen als die einheimischen Schülerinnen. Im September 1930 erhöhte die Stadtverordnetenversammlung das jährliche Schulgeld von 200 beziehungsweise 250 RM auf 240 beziehungsweise 270 RM. Die neue Sozialstruktur der Elternschaft der Schule brachte es mit sich, daß das Kuratorium eine Reihe von Freistellen und Schulgeldermäßigungen gewähren mußte. Der Vorwurf einer Nachbar- Gemeinde, die um einen Zuschuß gebeten wurde, die Traben-Trarbacher Mädchenschule sei eine Schule nur für Töchter eines kleinen Kreises begüterter Familien oder gar von Beamten, war nach 1919 unberechtigt. Der ständige Rückgang der Schülerinnenzahlen (1927 erstmals unter 100) und die angespannte Finanzlage der Stadt erzwangen in den Notjahren 1931 bis 1934 schließlich den Abbau von drei Planstellen; zwei Lehrerinnen der ersten Stunde traten in den Ruhestand. 1934 wurden die nur noch 50 Schülerinnen von zwei hauptamtlichen Lehrkräften (Rektorin Brinkman und Fräulein Napp) sowie von zwei auf Zeit angestellten Lehrerinnen unterrichtet; die oberste Klasse (Unterse­kunda) wurde abgebaut und eine Umschulung der Mädchen ins Gymnasium ins Auge gefaßt. Dagegen wandten sich die Eltern, die gegen die Koedukation waren und auf die unterschiedliche Sprachenfolge (mit Latein) hinwiesen. Zu Ostern 1935 trat die einundsechzigjährige Schulvorsteherin Bertha Brinkman, die die Schule aufgebaut und ihre Blüte erlebt hatte, vorzeitig in den Ruhestand. Ihre Nachfolge trat bis 1937 die Studienassessorin Dr. E. Pfeifer an. 1935 bemühten sich Schulleitung und Stadtver­waltung um die Erhaltung der Schule. 1936 scheiterte der Versuch, eine öffentliche Mädchenmittelschule des Kreises mit Sitz in Trarbach durch Zusammenlegung der Mädchenschule Traben-Trarbach und der Rektoratsschule Zell zu gründen, an den Einwänden der Kreisstadt. Gedanken, die Schule als Privatschule weiterzuführen, widersprachen grundsätzlich der nationalsozialistischen Geisteshaltung.

Die Existenz der Schule hing seit Jahren von dem laufenden Zuschuß des preußischen Kultusministeriums ab. 1936 bemängelte Berlin erneut die Nichterfüllung der bekannten pädagogischen und finanziellen Auflagen. Der Stadtrat beschloß, die Mindestforderungen zu erfüllen. Da er aber die dritte ruhende Lehrerstelle nicht wiederaufleben lassen wollte, sondern weiter eine Hilfskraft, für die keine Pensionsbeiträge überwiesen wurden, amtieren ließ, stellte die Regierung die Zahlung des schon genehmigten und sogar erhöhten Zuschusses an die Stadtkasse zum 1. Januar 1937 ein. Drei Jahre hatte sich die Schule noch dahingeschleppt, alle Rettungsversuche waren gescheitert. Der Oberpräsident der Rheinprovinz verkündete kraft eines Ministerialerlasses die Auflö­sung zum 1. April 1937: Da die Schülerinnen in das Staatliche Reformrealgymnasium aufgenommen werden besteht für die Erhaltung der städtischen Madchenschule kein Bedürfnis mehr. Die Stadt mußte sich verpflichten, die Kosten für den Einbau von Mädchentoiletten und den Umbau des Dachgeschosses für einen neuen Klassenraum im Gymnasium zu übernehmen, ferner die Kosten für Turn- und Handarbeitsunterricht sowie vorübergehend die Kosten für besonderen Lateinunterricht der 45 Mädchen, der zur Überbrückung wegen der Verschiedenheit der Schulform erforderlich wurde. Die ursprünglich vorgesehenen Kosten für die Anstellung eines Studienassessors erließ man der Stadt. Die Schulbänke und zwei Nähmaschinen übernahm das Gymnasium.

So endete eine städtische Institution, deren Gründung und dreißigjähriges Bestehen vom Bildungsstreben und finanziellen Opfersinn ihrer Bürger Zeugnis gibt, eine Schule, die eng mit zwei Generationen von Frauen und Müttern verwachsen war, denen sie gediegenes Wissen und Rüstzeug für das spätere Leben vermittelt hatte.

2. Die Realschule

Von Günter Oberle

Vor ungefähr 250 Jahren wurde die Realschule als Reformschule gegründet und versteht sich auch heute als moderne Schule.

Wesentliches Ziel der Realschule ist es, dem Recht des Menschen auf Selbstverwirk­lichung zu dienen, indem sie ihn zum aktiven und verantwortlichen Handeln in den unterschiedlichsten Lebensbereichen befähigt. Ohne den qualifizierten Fachmann, zu dessen Ausbildung sie beiträgt, ist ein hochindustrialisierter Staat, wie die Bundesre­publik Deutschland, nicht mehr zu denken.

Um dem jungen Menschen Sach- und Sinnzusammenhänge zu erschließen, wird das Bildungsangebot der Realschule immer wieder daran ausgerichtet, was Gesellschaft und Arbeitswelt erfordern. Dieses Konzept, das allgemeinbildend und berufsfeldorientiert ist, hat die Realschule im Laufe ihrer über zweihundertjährigen Geschichte beibehalten.

So erschließt die Realschule, die als die Schule des sozialen Aufstiegs bezeichnet wird, nicht nur bildungsferne Sozialschichten - die Struktur der Herkunft ihrer Schüler entspricht weitgehend der Struktur der Gesamtbevölkerung - , sondern, was besonders für einen Flächenstaat wie Rheinland-Pfalz gilt, auch abgelegene Landesteile für den Erwerb eines qualifizierten und profilierten Sekundarabschlusses 1, für den Realschulabschluß.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Aufbau des Realschulwesens in Rhein­land-Pfalz zögernd und erreichte in den sechziger Jahren einen ersten Höhepunkt. So stieg die Zahl der Realschüler in Rheinland-Pfalz von 1968 bis 1977 um 121 Prozent.

Von der Stadt Traben-Trarbach und ihren Stadträten kann gesagt werden, daß sie früh erkannten, welche wichtige Rolle der Realschule innerhalb des Schulsystems zukommt. Auf ihren Antrag hin erteilte die Bezirksregierung Koblenz im April 1955 die Genehmigung zur Errichtung der Realschule Traben-Trarbach. Zum ersten Schulleiter wurde Herr Reinhard Matthes bestimmt, der 1959 zum Realschuldirektor ernannt wurde. Das Schuljahr 1955 / 56 wurde mit 44 Schülern begonnen. Fürs erste kam man in dem Gebäude der Volksschule in der Kirchstraße unter, die einen Klassenraum zur Verfügung stellte. Noch im selben Jahr befaßte sich der Stadtrat mit Plänen für ein Realschulgebäude. Am 22. Juni 1956 beschloß der Stadtrat den Bau eines Realschul­gebäudes, und am 13. März 1957 begannen die Erdarbeiten.

Zu Beginn des Schuljahres 1957 wurde Herr Michel, der spätere Schulleiter, an die Realschule versetzt. Die Klasse 5 wurde in der französischen Schule in der Köveniger Straße unterrichtet, während die Klassen 6 und 7 in der Volksschule Traben untergebracht waren.

Am 26. Juli 1957 konnte das Richtfest am Neubau der Realschule an der Köveniger Straße gefeiert werden. Am 15. April 1958 bezogen vier Klassen den Neubau, die übrigen Räume waren noch nicht eingerichtet. Im Oktober 1958 waren alle Räume und Anlagen der Schule fertiggestellt und eingerichtet.

Herr Kurt Seipel, der jetzige Realschulkonrektor, wurde zu Beginn des Schuljahres 1959/1960 der Realschule zugewiesen.

Am 18. März 1961 wurden zum ersten Male Schüler der Klasse 10 mit dem Zeugnis der mittleren Reife entlassen.

Am 1. Januar 1966 wurde die Schule von dem neuen Sachkostenträger, dem Kreis Zell, übernommen.

1969 trat der erste Realschuldirektor Reinhard Matthes in den Ruhestand. Seine Arbeit beim Aufbau der Realschule wurde im Rahmen einer Feierstunde gewürdigt.

Da Traben-Trarbach durch die Verwaltungsreform dem Regierungsbezirk Trier zugeordnet wurde, wurde der Landkreis Bernkastel-Wittlich neuer Sachkostenträger.

Am 27. Januar 1970 wurden Herr Wilhelm Michel zum Realschuldirektor und am 1. Mai 1971 Herr Seipel zum Realschulkonrektor ernannt.

Seit dem Schuljahr 1973/1974 umfaßt die Schule 12 Klassen. Durch den Anstieg der Schülerzahlen reichten die Räume nicht mehr aus. Ausweichmöglichkeit bot die ehemalige französische Schule neben dem Hauptgebäude, wo drei Klassen unterge­bracht werden konnten, andere Klassen mußten sich mit Nebenräumen begnügen. Um die erste Raumnot zu beheben, baute der Kreis Bernkastel-Wittlich Räume im Dachgeschoß für den Unterricht in bildnerischem Gestalten und Werken aus. Bis zum Einzug in ein neues Gebäude wurde ein Schulpavillon zum Frühjahr 1976 aufgestellt, um der wachsenden Schülerzahl gerecht zu werden.

Am 31. Juli 1975 führte Landrat Dr. Gestrich die erste Raupenbewegung statt des ersten Spatenstiches zum Neubau des Schulzentrums an der Köveniger Straße aus. Im April 1978 wurde der Neubau von der Realschule bezogen, die ihn seitdem gemeinsam mit der Hauptschule nutzt. Gleichzeitig wurde der Leiter der Schule, Realschuldirektor Michel, verabschiedet und trat in den Ruhestand. Sein Nachfolger als Schulleiter wurde Albrecht Schmitt, der am 3. November 1978 in sein Amt eingeführt wurde. Seit dem 22. April 1980 wird die Schule durch den Realschulrektor Bernard Clüßerath geleitet.

Im Juli 1980 wurde das Richtfest der Sporthalle gefeiert, und im Februar 1981 wurde sie mit einer Feierstunde den beiden Schulen übergeben.

Seit 1976 trägt die Schule den Namen des ersten Kanzlers der Bundesrepublik Deutschland und nennt sich Staatliche Konrad-Adenauer-Realschule.

Jahr

Schülerzahlen

Neuaufn.
Klasse 5

Anzahl  d. Kl.

Abschlußzeugnisse

  Lehrkräfte 
hauptamtl. - nebenamtl.

1955

44

-

-

-

-

-

1961

229

39

6

40

8

6

1966

255

49

6

36

10

4

1970

251

51

8

35

8

8

1975

364

52

12

44

15 

7

1981

393

62

12

56

20

2

Schüler-, Absolventen-, Klassen- und Lehrerzahlen der Realschule nach Stichjahren.

In den knapp dreißig Jahren ihres Bestehens sind die Schülerzahlen bis 1981 stetig gestiegen. Gleichzeitig konnte die Anzahl der Klassen verdoppelt und die Klassen­belegstärke von durchschnittlich 43 Schülern im Jahre 1966 auf durchschnittlich 33 Schüler pro Klasse im Jahre 1981 verringert werden.

3. Das Berufsschulwesen

Von Günther Augustin

Die Berufsschule ist die jüngste deutsche Schulgattung. Sie wird von 90 Prozent aller Jugendlichen besucht. Im Verlauf der letzten Jahrzehnte hat diese Schulart einen starken Wandel durchgemacht. Um die Jahrhundertwende und später besuchte die schulentlassene Jugend die sogenannte ,,Sonntagsschule für die gewerblich tätige Jugend", auch ,,Zeichenschule" genannt. Abgelöst wurde die Sonntagsschule von der Fortbildungsschule (Abendschule). Der Unterricht beschränkte sich auf allgemeinbil­dende Fächer und wurde von nebenamtlichen Lehrpersonen, meist Volksschullehrern, erteilt.

Im Jahre 1911 wurden in Preußen alle Fortbildungsschulen zu Pflichtfortbildungs­schulen erklärt und im Jahre 1923 in ,,Berufsschulen" umbenannt.

Im Kreise Zell/Mosel wurde erstmals von Pfarrer Hundhammer 1891 in Traben der Versuch unternommen, eine evangelische Fortbildungsschule zu gründen. Diese wurde 1892 wieder geschlossen, da es einmal an Mitteln fehlte und auch die Schülerzahl infolge der Freiwilligkeit zu gering war. Es hatten sich nur zwölf Jünglinge zum Eintritt gemeldet.

Erst 1894 wurden öffentliche gewerbliche Fortbildungsschulen in Traben-Trarbach und Zell errichtet und vom Handelsministerium genehmigt. Der Unterricht stand unter der Aufsicht der Ortsschulinspektoren (Pfarrer). 1895 wurden auch hier kaufmännische Lehrlinge zum Schulbesuch verpflichtet. Der Unterricht fand an zwei Abenden von acht bis zehn Uhr statt. Manche Widerstände der Anfangszeit wurden überwunden.

Die Schülerzahl betrug damals in Traben-Trarbach 75. Es waren zwei Klassen gebildet. Man wird es heute unglaublich finden, daß damals der Unterricht in den späten Abendstunden lag und Fachzeichnen noch teilweise am Sonntagmorgen vor dem Gottesdienst betrieben wurde. Die Erkenntnis der Notwendigkeit zur theoretischen Schulung brach sich aber äußerst rasch Bahn, wozu wesentlich die neu eingeführten Gesellenprüfungen beitrugen.
Erst im Jahre 1924 wurden die im Kreis bestehenden gewerblichen Fortbildungsschulen in ,,Gewerbliche Berufsschulen" umgewandelt. Der Sonntagsunterricht entfiel. In Zell und in Traben-Trarbach waren zu der Zeit je 150 bis 175 Lehrlinge eingeschult. Obwohl der Unterricht nur von nebenamtlichen Lehrkräften erteilt wurde, genossen die Schulen bei der Schulaufsichtsbehörde, der Handwerkskammer und bei den Lehrherren das vollste Vertrauen. In Traben-Trarbach hatten sich um die Fortentwicklung der Schule besonders Rektor Hilgert und Lehrer Schulz verdient gemacht.

Im Jahre 1938 wurden im Kreis Zell die bestehenden gewerblichen Fortbildungsschulen zu einer Kreisberufsschule zusammengefaßt. So war es möglich, die Lehrlinge nicht nur in Fachklassen, sondern auch nach Jahrgängen getrennt zusammenzufassen. Hauptamtliche, für die jeweiligen Berufsgruppen ausgebildete Lehrkräfte konnten nunmehr einen erfolgreichen Unterricht erteilen. Schulstandorte waren damals Tra­ben-Trarbach und Zell, wozu später der Standort Sohren kam.

Dreizehn Jahre später wurde im September 1951 den bestehenden gewerblichen, kaufmännischen und hauswirtschaftlichen Abteilungen als vierte Abteilung die landwirtschaftliche Berufsschule angegliedert. Von da ab gab es 12 Schulstandorte im Kreis Zell. Aber lediglich in Traben-Trarbach und in Zell standen der Schule eigene Klassenräume zur Verfügung. In Traben-Trarbach wurde das alte Schulgebäude an der Rißbacher Straße baulich erweitert und modernisiert.

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Im Jahre 1957 wurde in Traben-Trarbach im alten Schulhaus in der Kirchstraße (Nähe katholische Kirche) die ,,Zweijährige Handelsschule" des Landkreises Zell errichtet. Hier wurde bis 1969 eine ausgezeichnete Bildungs- und Erziehungsarbeit geleistet.

Mit dem 1. April 1969 wurde die Handelsschule nach Zell verlegt, wo sie auch heute noch als zweijährige Berufsfachschule Wirtschaft / Verwaltung neben der gleichen Schule in Cochem geführt wird.

Durch die Verwaltungsreform ging der Stadt Traben-Trarbach zum Ende des Schuljahres 1969 jede Art des Berufsschulwesens verloren. Damit war der seit Jahrzehnten gute Ruf einer ,,Schulstadt" erheblich gemindert.

4. Volksbildungswerk und Volkshochschule

Von Lutz Reichardt

Als am 4. Oktober 1959 im Rahmen einer Feierstunde das Volksbildungswerk Traben-Trarbach vor zahlreichen Gästen aus Stadt und Land eröffnet wurde, war es eine Organisation des öffentlichen Lebens der Stadt, ohne umfangreiche, feste Satzungen und Verpflichtungen.

Aus der Gründung des Kreisvolksbildungswerkes im Landkreis Zell und der zunehmenden Bedeutung der Volksbildungswerke überhaupt ergab sich die Notwen­digkeit einer neuen Organisationsform - und so wurde in der Sitzung des Kulturausschusses vom 21. September 1967 die Neugründung des Volksbildungswerkes Traben-Trarbach beschlossen. Die Satzung des Volksbildungswerkes Traben-Trarbach trat mit gleichem Datum in Kraft. In ihr wurden die Aufgaben des Volksbildungswerkes geregelt und die Leistung in die Hände eines Vorstandes und einer Mitgliederversammlung gelegt.

Den Vorsitz übernahm Oberstudiendirektor i. R. Dr. Matthäus, der seit Gründung des Volksbildungswerkes im Jahre 1959 die Geschicke dieser kulturellen Einrichtung geleitet hatte.

Zu den stimmberechtigten Mitgliedern im Volksbildungswerk zählten ein Jahr später sämtliche Schulen am Ort, die katholische und evangelische Pfarrgemeinde, die Orchestergemeinschaft, die Deutsche Nalla 1, der Heimat- und Verkehrsverein Traben-Trarbach e. V., der Gesangverein Traben-Trarbach 1837, die Stadtverwaltung und die drei Stadtratsfraktionen. Nach dem Tode von Dr. Matthäus übernahm Ober­studienrat Wittkowsky im Jahre 1968 die Leitung des Volksbildungswerkes.

Seit der Gebietsreform von 1969 arbeitet das Volksbildungswerk - und seit 1977 auch die Volkshochschule - mit der Kreisvolkshochschule Bernkastel-Wittlich zusammen.

Im Jahre 1972 übernahm Studienrat Reichardt die pädagogische Leitung des Volksbildungswerkes.

Die Verabschiedung des Landesgesetzes zur Neuordnung und Förderung der Weiterbildung in Rheinland-Pfalz vom 14. Februar 1975 machte eine Konzentration der Weiterbildungsmöglichkeiten in der Regie der Verbandsgemeinde notwendig.

Infolgedessen wurde in der Sitzung des Stadtrats vom 19. September 1977 das bisherige Volksbildungswerk Traben-Trarbach zum 30. September 1977 aufgelöst. Ab 1. Oktober 1977 übernahm die Volkshochschule der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach die Aufgaben der Weiterbildung. Die Arbeit der neuen Volkshochschule regelt die Satzung vom 9. Dezember 1977. Vorsitzender der Volkhochschule ist seither der Bürgermeister.

Für die Organisation und Leitung der Volkshochschularbeit ist (1er pädagogische Leiter der Volkshochschule Traben-Trarbach, Studiendirektor Reichardt, verantwortlich, die Geschäftsleitung wird seit Anfang durch das Verkehrsamt vollzogen.

In den Gründungsjahren hatte sich die Arbeit des Volksbildungswerkes im wesent­lichen auf Einzelvorträge und Vortragsreihen konzentriert. Im Jahre 1959 beispielsweise wurden elf Vorträge und Vortragsreihen gehalten. Abendkurse wurden nur wenig angeboten.

Vierzehn Jahre später ist ein anspruchsvolles, differenziertes Kursprogramm Selbst­verständlichkeit geworden, das bis zum Wintersemester 1982 / 83 auf 39 Kurse erweitert werden konnte. Bis zu 20 Mitarbeiter im Winterhalbjahr kann die Volkshochschule Traben-Trarbach aufweisen, und es ist nur der Treue und dem Einsatz dieser Mitarbeiter zu verdanken, daß es möglich war, über Jahre hinweg die Arbeit der Volkshochschule zu sichern und zu erweitern.

Mit der breiten Palette ihres Kursangebots konnte und kann sich die Volkshochschule Traben-Trarbach mit ihrem vergleichsweise geringen Teilnehmerpotential im Kreise der Volkshochschulen der Kreisvolkshochschule Bernkastel-Wittlich sehen lassen und der Anerkennung ihrer Arbeit gewiß sein:

Büro/Verwaltung: Maschinenschreiben - Stenografie - Kaufmännisches Rechnen -Buchführung;

Fremdsprachen: Englisch - Französisch - Italienisch - Spanisch - Russisch -Deutsch für Ausländer;

Mathematik/Naturwissenschaften:  Rechnen - Mengenlehre - Einführung in die experimentelle Chemie - Chemie für Winzer;

Hauswirtschaft: Nähen - Kochen;

Freizeitgestaltung: Werken  Basteln in der Vorweihnachtszeit - Makramee - Batik - Aquarellieren - Malen und Zeichnen - Emaillieren - Weben - Keramik -Töpfern - Einführung in die Graphik - Fotokurse - Einführung in die Graphologie
- Pannenhilfe - Pilzwanderung - Kosmetik;

Sport/Gesundheit: Autogenes Training - Ski-Gymnastik - Aerobic - Jazzgymnastik
und Tanz - Sonderturnen für haltungsgeschwächte Kinder - Turnen im Vorschulalter -     Bewegungstraining für Übergewichtige;
Vorträge und Sonstiges: Alljährliche Theaterfahrten im Abonnement (Ltg. Frau Peda)

-   Begleitkurse Tele- und Funkkolleg, Theater, Dichterlesungen, Kabarett, Vorträge, Konzerte, Filmabende, Ausstellungen, Studienfahrten und Förderkurse.

  1 Zur Deutschen Nalla vgl. Kap. x.

Quellen zur städtischen Töchterschule: Landeshauptarchiv Koblenz (LHA KO) Best. 645 Nr. 57 - 63 und LHA KO Best. 441 N 31433.
Mittelmosel- Zeitung (und Vorläufer, wie in Kap. XVII beschrieben), 1887 - 1937.

 

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