XXI.

Das Staatliche Gymnasium

Von Günther Böse

Das Gymnasium zu Trarbach blickte, als es 1904 nach der Vereinigung zur Doppelstadt den Namen Königliches Gymnasium Traben-Trarbach erhielt, auf eine über dreihundertiährige Geschichte zurück. 1573 als Lateinschule (auf dem Kästel neben der evangelischen Kirche) von den Herzögen von Pfalz-Zweibrücken als den Landesherren der Hinteren Grafschaft Sponheim im Gefolge der Reformation gegründet, wurde diese 1648 zum Gymnasium ausgebaut mit der Berechtigung des direkten Übergangs seiner Absolventen zu den Universitäten. Nach der Unterdrückung 1800 in der Franzosenzeit, nach dem inoffiziellen Weiterleben als Privatinstitut unter Pfarrvikaren erlebte die Schule 1818 ihre Wiederherstellung als staatlich anerkannte Höhere Stadtschule (Bürgerschule), wurde dann stiftisches Progymnasium, bis es 1888 der preußische Staat übernahm. Die Verstaatlichung bildete zweifellos den Höhepunkt in der Schul­geschichte.

1. Das Königliche Gymnasium bis 1918

Der erste Direktor nach der Verstaatlichung, Dr. Barlen, erneuerte die Schule innerlich und äußerlich. Er hob das wissenschaftliche Niveau auf den Stand staatlicher höherer Schulen. Dem Schulleben gab er besondere Impulse, indem er die später so aktiven Schülervereine ins Leben rief. Er setzte die Erweiterungs- und Umbauten am alten Progymnasium (später Amtsgericht) sowie den Neubau einer Dienstwohnung für den Direktor und den ersten Oberlehrer (sogenanntes Lehrerhaus) in der Wildbadstraße, später auch den der Gymnasial-Badeanstalt durch. Seiner Energie und seinem Weitblick waren die Gründung und der Bau des Alumnats ,,Lutherhaus" auf der Anhöhe über dem Kautenbachtal, schließlich die Erweiterung des Progymnasiums zur Vollanstalt zu verdanken. Nach Barlens frühem Tod (1897) setzten ihm dankbare Bürger, Lehrer und Schüler auf dem Trarbacher Friedhof ein Grabdenkmal.

1888-1897 Dr. K. Barlen

1934-1945 A. Schneller

1956-1959 Dr. K. Ostermann

1897 - 1921  Dr. K. Schmidt

1945 - 1947  Dr. H. Bauer

1959-1967 Dr. Chr. Roos

1921 - 1925  H. Uerpmann

1948 - 1951  Dr. W. Gubisch

1967-1976 W. Michel

1925-1933 Dr. W. Matthäus

1951 - 1956 E. Müller

seit 1977U. Losemann

Tab.: Die Direktoren des Traben-Trarbacher Gymnasiums seit seiner Verstaatlichung.

Der Vertrag für einen völligen Neubau des Gymnasiums wegen der ansteigenden Schülerzahlen kam noch 1902 mit den Schwestergemeinden zustande. Wehmütig nahm man Abschied vom alten Schulhaus in der Gymnasialstraße (heute Brückenstraße), um das Gebäude am Bernkasteler Weg zu beziehen. Das neue Gymnasium, damals als beispielhaft moderner Schulbau in landschaftlich schöner Lage gepriesen, war in Meyers Konversationslexikon abgebildet. Die Einweihung am 5. Januar 1905 wurde mit zahlreichen Ehrengästen, an der Spitze Provinzial-Schulrat Dr. Nelson und General von Kessler, feierlich begangen. Der Festakt in der Schule mit Reden, Ordensverleihung und Weihelied, die abendliche Feier mit Konzert, Festessen und Ball im Casino, ein Wiedersehenstreffen im Hotel Clauss-Feist, der Kommers im Kaiserhof, die Auffüh­rung von Paul Heyses Schauspiel ,,Kolberg" waren Höhepunkte der Festwoche.

Das Gymnasium war längst eine preußische Anstalt geworden. Es verkörperte mit seiner Tagesordnung, der montäglichen Morgenandacht, den seit 1898 festgesetzten Ferien, den Ausflügen, den Gedächtnisfeiern für die verstorbenen Monarchen Wil­helm 1. und Friedrich III. und der Geburtstagsfeier für den regierenden Kaiser Wilhelm II., der Sedanfeier, der Abiturientenentlassung mit den stereotypen Chören, den Rhythmus des Schuljahres und der staatlichen Ordnung, innerhalb der sich das Leben der Schüler bis 1914 abspielte. In dieser höheren Schule, welche den evangelischen Charakter mit der an preußischen Lehranstalten selbstverständlichen Toleranz gegen­über Andersgläubigen wahrte, regierte der Lehrplan, der ganz auf das humanistische Bildungsziel ausgerichtet war. Das Lehr- und Lernbare hatte absoluten Vorrang. Das wichtigste war die unumstößliche Ordnung: der Stundenplan galt für das ganze Jahr, er wurde nie geändert. Schon die äußerst seltene Erkrankung eines Lehrers war für die Schüler eine große Überraschung. Der Unterrichtsausfall war bei sechs bis sieben Stunden Unterricht pro Tag gleich null. Die häuslichen Arbeitsstunden und die Ausgangszeiten für die Schüler wurden vom Direktor festgesetzt, erst 1912 wurde den Primanern der Besuch einer bestimmten Gaststätte (Zur goldenen Traube) zu einer bestimmten Zeit erlaubt. Dennoch bot die Schule für die verbleibende Freizeit sinnvolle Abwechslung. Das Gymnasium, dem private Gönner seit 1860 bedeutende Geldstiftun­gen vermacht hatten, besaß eine eigene Badeanstalt an der Mosel sowie Eisbahnen für den Winter. Der Gymnasial-Turnverein, 1897 zum Turn- und Ruderverein erweitert, konnte seit 1905 in der neuen Turnhalle täglich üben, jährliche Turnspiele und Turnfahrten wurden organisiert. Der Rudersport nahm einen großen Aufschwung. Er spielt bis heute mit schuleigenen Booten eine beachtliche Rolle im Leben der Schule. 1907 erwarb sie das Gelände am Woog und errichtete den ersten Bootsschuppen, der 1935 durch ein modernes Bootshaus ersetzt wurde. Die aufkommende Jugendbewegung repräsentierte vor 1914 eine Gruppe des Alt-Wandervogels. Neben dem Gymna­sial- Turn- und Ruderverein und einem Stenographieverein war besonders seit 1897 der Gymnasial-Leseverein aktiv, der bis zu seiner erzwungenen Auflösung 1934 mit vielen Vortragsabenden, Dichterlesungen und gehaltvollen Theateraufführungen an die Öffentlichkeit getreten war. Das kulturelle Leben im Städtchen fand weitere Förderung durch den von den Gymnasiallehrern ins Leben gerufenen Wissenschaftlichen Verein.

Innerschulisch ergaben sich von 1901 bis 1914 nur wenige Neuerungen; das waren allgemeine Lehrpläne, eine neue Versetzungs- und Abiturordnung. Hauptfächer waren Latein, Griechisch (ab Untertertia), Deutsch und Mathematik. Ab 1910 konnte statt Griechisch Englisch gewählt werden, um den Übergang auf ein Realgymnasium zu erleichtern. Der gesamte wissenschaftliche Unterricht wurde auf den Vormittag gelegt, die Unterrichtsstunden auf 45 Minuten festgesetzt. Bei insgesamt 272 Wochenstunden für alle Klassen dominierten die alten Sprachen mit 91 Stunden gegenüber den modernen Sprachen (35), es folgten die deutschkundlichen Fächer (49), Mathematik (37) und Religion (20, davon 13 evangelisch, 7 katholisch). Die naturwissenschaftlichen (17) und musischen Fächer (12) waren noch Stiefkinder.

In den Friedensjahren bis 1914 war ein ruhiges, geistig fruchtbares Arbeiten möglich. Die Beilagen zu den jährlich erscheinenden Schulprogrammen sowie Fachzeitschriften weisen eine Reihe wissenschaftlicher Beiträge hiesiger Gymnasiallehrer auf. Erwähnung verdient vornehmlich Dr. Disselnkötter, der durch seine jahrzehntelangen Forschungen zur Geschichte der Sponheimer die wissenschaftliche Grundlage der Heimatgeschichte gelegt hat. Insgesamt erhielten elf verdiente Oberlehrer in der Kaiserzeit den Titel eines Professors, den Roten Adlerorden und den Rang der Räte 4. Klasse. Direktor Dr. Schmidt (1897  1921) wurde ~um Geheimrat ernannt. Das Kollegium bestand 1914 aus 16 Lehrern, nämlich dem Direktor, fünf Professoren, drei Oberlehrern, zwei wissen­schaftlichen Hilfslehrern, einem technischen Lehrer, einem Probekandidaten, zwei nebenamtlichen Kräften, dem katholischen Pfarrer und dem Musiklehrer. In neun Klassen (Sexta bis Oberprima) wurden 187 Schüler unterrichtet. Die religiöse Erziehung, die wissenschaftliche Unterweisung in den Sprachen und der Mathematik, die Erweckung nationaler Gesinnung prägten das Gymnasium. Dem entsprach der Wahlspruch auf der Schulfahne: Virtuti et patriae.

Den ersten sehr produktiven Abschnitt in der Geschichte des Staatlichen Gymnasiums unterbrach jäh der Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Am 1. August 1914 wurden der Direktor und drei Lehrer als Reserveoffiziere eingezogen, 17 Primaner und zehn Obersekundaner meldeten sich ab, um in das Heer einzutreten. Die patriotische Begeisterung war groß. Bis Ende 1914 wurden vorzeitige Notreifeprüfungen durchge­führt, fast alle Schüler über 16 Jahren (ab 1918 über 14 Jahren) traten in die Jugendwehr-Kompanie ein, die unter Führung von Lehrern, die dem Landsturm angehörten, auf dem Schulhof und im Gelände exerzierte. Den verkürzten Unterricht hielt nach weiteren Einberufungen der auf die halbe Stärke reduzierte Lehrkörper mit Mehrstunden bis Kriegsende aufrecht; Lehramtskandidaten und die Ortspfarrer halfen aus. In den ersten Kriegsjahren feierte man in der Aula noch die großen Siege, 1915 auch den hundertsten Geburtstag Bismarcks. Der letzte gedruckte Jahresbericht erschien 1915. Die Schülerzahl sank in dieser Zeit auf 135. Ab 1916 halfen die Gymnasiasten beim Schreiben und Verteilen der Lebensmittelkarten, warben zur Zeichnung der Kriegsan­leihen und für die Ablieferung von Goldsachen, sammelten Liebesgaben für die Front und Altmaterial, Bucheckern, Kräuter und Laub. Im Winter 1917 gab es die ersten Kohleferien. ,,Vaterländischen Hilfsdienst" leisteten die Schüler bis Kriegsende bei der Ernte und in Betrieben. Im Ersten Weltkrieg ließen 113 Schüler und drei Lehrer ihr Leben. Den Krieg deuteten nach 1918 in kontroverser Schau der Dramatiker Reinhard Goering (Die Seeschlacht) und der Schriftsteller Werner Beumelburg (Gruppe Bose­müller), die herausragenden Traben-Trarbacher Abiturienten der Jahrgänge 1906 und 1916.

2. Das Gymnasium in der Zeit der Umwandlung zum Reformrealgymnasium 1918 bis 1933

Der Übergang vom Kaiserreich zur Republik verlief im November 1918 äußerlich reibungslos, nur wenige Tage fiel der Unterricht aus. In das Gymnasium kehrte nun die Demokratie ein mit ihrer durch die Weimarer Verfassung gewährleisteten bürgerlichen, politischen und konfessionellen Gleichberechtigung. Den durch den preußischen Obrigkeitsstaat geprägten Gymnasiallehrern fiel es zum Teil schwer, zur neuen Staatsform zu finden. Politisch engagierte Lehrer waren selten, galten als Außenseiter. Ab 1919/20 wirkten einzelne Gymnasiallehrer (Dr. Becker, Kraus) als Stadtverordnete und im Kreistag für die demokratischen Parteien. Junge Studienräte - seit 11. Sep­tember 1918 hießen so die Gymnasial-Oberlehrer, weiter gab es nun Studienassessoren und Studienreferendare statt Wissenschaftlicher Hilfslehrer und Kandidaten - erar­beiteten für die Höhere Schule erste ,,Demokratische Leitsätze". Die Wahlen der Lehrervertretung, der Vertrauensschüler sowie des Elternbeirats wurden jährliche Pflichtübungen. Das Gymnasium verlor auch seinen Charakter als Privilegiertenschule, da für Minderbemittelte gemäß Artikel 46 der Reichsverfassung öffentliche Mittel zur Verfügung zu stellen waren.

1919 fanden Sonderreifeprüfungen für Kriegsteilnehmer statt. Das erste normale Abitur folgte 1920. In den Notjahren 1920 bis 1923 waren Studienassessoren, die zum Teil ohne Lehrauftrag, das heißt ohne Entgelt, beschäftigt wurden, froh, im Alumnat, wo sie Kost und Logis frei hatten, unterzukommen. Jede Einstellung eines Lehrers, insbesondere die Einreise in die besetzte Zone der Rheinprovinz, war von der Überprüfung durch die Interalliierte Rheinlandkommission abhängig, die auch die Gymnasialdirektoren für das Verhalten der Lehrer und Schüler verantwortlich machte. In der entmilitarisierten Zone entstand infolge der kurzsichtigen Politik der Sieger­mächte eine besondere emotionelle Situation. Lehrer und Schüler fühlten die nationale Verpflichtung, dem Reich gegenüber als Westmark zu bestehen. So bekundeten sie ihre Treue zu Heimat und Vaterland 1925 bei der Tausendjahrfeier der Rheinlande und besonders 1930 bei der Rheinlandbefreiungsfeier am Deutschen Eck, zu der alle Klassen mit ihren Lehrern nach Koblenz fuhren.

Der Neubeginn des schulischen Lebens in der Weimarer Republik wurde in der Nacht zum 12. April 1919 jäh unterbrochen, als in den Osterferien das Gymnasium -vermutlich durch eine Entzündung im Physikkabinett - abbrannte. Das dritte und zweite Stockwerk einschließlich der Aula mit der von C. W. Langguth gestifteten Orgel fielen den Flammen zum Opfer. Vernichtet wurden Teile der wertvollen Sammlungen - auch der der archäologischen Funde im Moselraum, die seit 1894 bestand- und unersetzliche bibliophile Schätze der alten Bibliothek. Notquartier bezogen die Klassen im Alumnat, die Oberstufe im Gasthaus ,,Moselstübchen" in der Wildbadstraße; im Sommer fand der Unterricht auch im Freien statt.

Der Wiederaufbau war, zumal auch die Schülerzahlen als Folge der allgemeinen Notlage zurückgingen, gefährdet. Eine Regierungskommission erachtete die Besucher­zahlen wichtiger als die historische Tradition und die Tatsache, daß sich in Traben-Trar­bach die einzige Vollanstalt zwischen Trier und Koblenz befand.

Weihnachten 1919 traf die erlösende Kunde von Berlin ein, daß die Existenz des Gymnasiums gesichert und der Wiederaufbau genehmigt sei. Nach Teilbezug der sukzessive fertiggestellten Räume war das Gebäude erst im Herbst 1922 wieder ganz hergestellt. Die neue Aula bildete mit der gewölbten Holzdecke und dem von Freunden und Gönnern gestifteten Ehrenfenster, das die Namen aller 1914 bis 1918 gefallenen Schulangehörigen trug, das besondere Schmuckstück des Hauses. In diesem stilvollen, akustisch hervorragenden Raum fanden ab 1923 die Abiturientenentlassungen, die Gefallenenehrungen, die Verfassungsfeiern und alle übrigen Festakte, viele öffentliche Konzerte und Vortragsveranstaltungen sowie der alltägliche Musikunterricht statt.

Nach dem Kriege trat auch der Leseverein wieder an die Öffentlichkeit mit einer Aufführung von Kleists Zerbrochenem Krug. Höhepunkt der jährlichen Theaterveran­staltungen sollte 1932 im Goethejahr die Aufführung von Faust 1 sein, der bisher einzigen in Traben-Trarbach. Die anderen Schülervereine wurden wieder aktiv, der Gymnasial- Turn- und Ruderverein und die Nerother. Sie verwalteten sich selbst und begingen jährlich ihr Sommerfest, das Winterfest im Hotel Brauneberg. Die Gymna­siallehrer waren jetzt im Volksbildungsverein tätig. - Die wirtschaftlichen und politischen Krisen des Jahres 1923 (Ruhrkampf, Separatismusunruhen, Inflation) verursachten Kohlenferien, Beschränkung des Unterrichts und des Zugverkehrs, den Anstieg des Schulgeldes von 220 Milliarden auf 6 Billionen Mark. Der Inflation fiel das gesamte Vermögen der Schule (die Stiftungen Pfeiffer, Rumpel, Stäffler, Heinrich Hausmann, Barlen, Schönberg, Max Melsheimer, Kaess und Carl Langguth), das 1915 auf über 80 000 Mark angewachsen war, zum Opfer. So mußte auf die geplante 350-Jahr-Feier verzichtet werden. Die Gefahr der ,,Einschrumpfung" wurde durch den Rückgang der Schülerzahl auf 139 heraufbeschworen. Direktor Uerpmann (1921 - 1925), dem letzten Altphilologen als Schulleiter, war die Überwindung der Krise zu verdanken. Auf seinen Vorschlag hin sprachen sich Kollegium, Elternschaft und Alumnatskuratorium für die Umwandlung des humanistischen Gymnasiums in ein Reformrealgymnasium mit der Sprachenfolge Französisch ab Sexta, Latein ab Unter­tertia und Englisch ab Untersekunda aus. Von ihm erhoffte man sich mit Recht vermehrten Zugang von den Zubringerschulen Bernkastel, Wittlich, Cochem und von der örtlichen Töchterschule.

1924 wurde auch die Koedukation eingeführt. Trotzdem schritt die Frauenemanzi­pation am Gymnasium nur langsam voran: 1929 erste Abiturientin, 1932 Einstellung einer Sekretärin, 1935 Einstellung einer technischen Lehrerin und einer Studienasses­sorin im Jahre 1937. Auch die Technik hielt ihren Einzug. Durch Stiftungen des Ehemaligenvereins wurden ein Telefon installiert, eine Schreibmaschine und das erste Epidiaskop angeschafft. Zum Schuljahr 1924/25 erschien als äußeres Zeichen der Normalisierung nach zehn Jahren wieder ein gedruckter Jahresbericht.

Mit der Änderung des Gymnasialtyps war fast gleichzeitig 1925 die Neuordnung des höheren Schulwesens in Preußen durchzuführen, die sogenannte Richertsche Reform. Ihre Folge war die Entfaltung eines regen, nach allen Seiten offenen Schullebens. Neue Lehrpläne stellten neben die Wissens- und Verstandesschulung nun gleichwertig die künstlerische und körperliche Bildung. Arbeitsgemeinschaften durchbrachen den Klassenverband, Arbeitsunterricht wurde Unterrichtsprinzip, Lehrfahrten und Betriebsbesuche verbanden Theorie und Praxis, erstmals suchte eine gezielte Berufsbe­ratung in der Schule die Überfüllung in den Berufen zu steuern. In den Leibesübungen, dem durch Gymnastik, Spiele, Schwimmen, Rudern, Wandern offiziell erweiterten Fach Turnen, nahm die Schule eine führende Stellung im Moselraum ein, wie zahllose Siege bei den Kreissportfesten, den Hindenburgkämpfen und süd- und westdeutschen Schülerregatten bewiesen. Klassenfahrten und Schullandheimaufenthalte lockerten den Unterrichtsbetrieb auf. 1927 erschien die erste Schülerzeitung ,,Jungwerk", die es aber aus Geldnot nur auf einen Jahrgang brachte. Ihre Aufgabe übernahm das Organ der Ehemaligen ,,Die früheren Schüler", das von 1927 bis 1934 über Gegenwart und Vergangenheit des Gymnasiums und Alumnats, über Personalia und Heimatgeschichte berichtete. Im Oktober 1926 hatte sich die Vereinigung der früheren Schüler, der spätere Verein der Freunde des Gymnasiums, konstituiert und bald schon über 350 Mitglieder gezählt.

Die stufenweise Umwandlung in ein Reformrealgymnasium ergab von 1925 bis 1933 ein organisatorisches Kuriosum. In den Klassen Sexta bis Untertertia galten die Lehrpläne des neuen Schultyps' Obertertia bis Obersekunda waren Realgymnasialklassen, in den Primen lief das alte Gymnasium mit Griechisch (1929) aus. Mit drei verschiedenen Sprachenfolgen herrschte eine babylonische Sprachverwirrung, über die die Lehrer stöhnten. Mit den nun ansteigenden Schülerzahlen veränderte sich aber auch die soziologische Struktur. Mehr auswärtige als einheimische Schüler besuchten jetzt die Schule. Das Einzugsgebiet erweiterte sich über den Kreis Zell hinaus moselauf- und- abwärts. Dadurch verschob sich auch die konfessionelle Zusammensetzung, die jahrhundertelang durch die dynastischen Grenzen bestimmt war. 1928 waren von 234 Schülern 140 evangelisch, 80 katholisch; die Zahl der Schüler israelitischer Konfession war immer gering, zwischen 1905 und 1935 insgesamt 27.

Die um sich greifende wirtschaftliche Not und die damit verbundene politische Radikalisierung machte sich auch am Gymnasium bemerkbar. Direktor Dr. Matthäus mußte bereits 1930 zur politischen Toleranz mahnen. Ein Bericht des Regierungspräsidenten von Koblenz vom 14. Februar 1931 vermerkt als auffallend, daß bei Versammlungen der NSDAP am 1. Februar 1931 in Traben-Trarbach sehr viele Schüler der oberen Klassen des Traben-Trarbacher Gymnasiums teilgenommen hätten. Der Rechtsruck war unverkennbar. Die Schule bekam auch die staatliche Finanzmisere zu spüren. Die Brüningsche Notverordnung baute die dreizehnte Lehrerplanstelle ab, die Lehrerfluktuation mit kurzfristigen Vertretungen war kennzeichnend. Die seit 1929 ins Auge gefaßten Pläne für einen Anbau und den Sportplatz konnten nicht realisiert werden; auch der Druck der Jahresberichte entfiel.

3. Oberschule im NS-Staat

Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung am 30. Januar 1933 zog in das Gymnasium christlich- konservativer Observanz der neue Geist mit Parolen, Uniformen und Marschstiefeln ein. Am 27. Februar 1933 beging man noch in einer schlichten Gedenkstunde intern die 360-Jahr-Feier der Schule, danach rollte eine Flut von Kundgebungen über sie hinweg. Von 1933 bis 1935 fanden mehr Schulfeiern statt als in den dreizehn Jahren vorher. Hitlerjugend (HJ) und SS betrieben mit Intoleranz und Zwang die Gleichschaltung der Schule. Am Geburtstag Fichtes, am 21. Mai 1933, verbrannte man auf dem Schulhof die Bücher ,,undeutschen Geistes". Nach vom Alumnat gesteuerten Demonstrationen und einem Schülerstreik gegen Direktor Dr. Matthäus mußte dieser den Pressionen weichen. Dauernder Einsatz und Beitritt zu den NS- Organisationen wurde gefordert, Geländeübungen und Exerzieren angesetzt, Schulfunksendungen, Flaggenhissen und der ,,deutsche Gruß" eingeführt. Es ver­schwanden nun die bunten Schülermützen, da sie als Relikte einer verstaubten bürgerlichen Gesinnung galten. Nach der Turbulenz des Jahres 1933, die den Unterrichtsbetrieb stark beeinträchtigte, kehrten Ostern 1934 unter einem neuen Direktor Zucht und Ordnung ein. Im Herbst ordnete die Regierung den Staatsjugendtag an. Danach hatten alle Angehörigen des Deutschen Jungvolks von 10 bis 14 Jahren und ihre Führer am Samstag schulfrei für den Dienst, die Nichtmitglieder hatten Unterwei­sung in Weltanschauung, Sport und Werken 1. Da auch an den Mittwochnachmittagen HJ-Dienst angesetzt wurde, erhielten die Schüler zweimal in der Woche aufgabenfrei. Die Lehrer wurden zumindest im NS-Lehrerbund erfaßt und bis 1938 nationalpoliti­schen Lehrgängen unterzogen. Die alten Schülervereine lösten sich selbst auf oder wurden, wie der Gymnasial- Turn- und Ruderverein in die Marine- HJ, überführt. An die Stelle des demokratisch gewählten Elternbeirats traten gemäß dem Führerprinzip fünf Jugendwalter, das waren drei dem Ortsgruppenleiter der NSDAP genehme Eltern, ein linientreuer Lehrer und der HJ- Bannführer 2. Schüler, Eltern und Lehrer bildeten unter Führung des Direktors die amtlich verordnete Schulgemeinde, in die auch der Freundeverein integriert wurde. An die Stelle der bisher freien Schülerzeitung trat ab 1935 das Schulorgan ,,Unsere Schulgemeinde" , für dessen Inhalt der Direktor verantwortlich zeichnete. Die Jahrgänge 1935 bis 1942 geben Einblick in den Geist der Zeit, wie er propagiert, befohlen und befolgt wurde. In den Mitglieder- und Schülerverzeichnissen fehlen ab 1936 die Namen der jüdischen Schüler. Der letzte von ihnen verließ im November 1935 das Gymnasium. Im gleichen Jahr noch erhielt das Gymnasium Traben-Trarbach als eine der wenigen höheren Schulen der Rheinprovinz die Erlaubnis, die HJ-Fahne zu hissen, da alle Schüler der Hitlerjugend angehörten.

Innerschulisch ist zu sagen, daß die neue Regierung sich bis 1937 für ihren Umerziehungsprozeß mit Einzelerlassen und Anweisungen begnügte. So forderte der Erlaß des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Rust, vom 23. März 1935 über die Schülerauslese an den höheren Schulen eine neue Rangordnung. Danach dominierten körperliches und charakterliches Streben künftig über die intellektuelle Schulung. Die politische Bildung und wehrsportliche Ausbildung wurden intensiviert. Jeden Montag trat die Schulgemeinde geschlossen auf dem Schulhof zum Appell an. Eine tägliche Viertelstunde Frühsport, auch im Winter, munterte die Schüler vor Unterrichtsbeginn auf, bis 1938 der Sportunterricht auf fünf Wochenstunden, das heißt auf ein Sechstel des Wochenunterrichts einer Klasse, verstärkt wurde. 1937 fiel der Staatsjugendtag weg. Im gleichen Jahr erfolgte in Traben-Trarbach die Umwandlung des Reformrealgymnasiums in die Oberschule für Jungen, die ein Jahr später durch die endgültige Neuordnung und Vereinheitlichung des höheren Schulwesens die Regelform im Reich wurde. Damit änderte sich wieder die Sprachenfolge: ab Sexta Englisch statt Französisch, ab Quarta Latein. In der Oberstufe war gemeinsamer Unterricht in den deutschkundlichen und musischen Fächern, Biologie und Leibesübungen; Religion entfiel ganz. Ansonsten wurde gegabelt in einen sprachlichen Zweig mit dritter Fremdsprache Französisch und einen mathematisch- naturwissenschaftlichen Zweig mit Physik ohne dritte Fremdsprache.

Die politische Bildung durchdrang alle Fächer, Bildungsideal war der rasse- und selbstbewußte völkische Mensch. Die deutschkundlichen Gesinnungsfächer und die Biologie waren besonders ideologisch belastet. Man ließ die Oberprima wegfallen, verkürzte die Gesamtschulzeit auf acht Jahre und zählte die Klassen 1 bis 8 statt Sexta bis Oberprima. So legten 1937 die zwei Primen ihre Reifeprüfung gemeinsam ab. Im selben Jahr übernahm die Oberschule fast 50 Mädchen der aufgelösten städtischen Mädchenschule 3. Es trat erneut Raumnot auf; Speicher und Kartenräume baute man zu Klassen um. Nach fünfjähriger Pause fand auch wieder ein ganztägiges Schulfest statt, auf dem Sportplatz an der Mosel, in der ,,Germania" und abends im Casino. 1938 konnte die Schule auf 50 Jahre staatlicher Obhut zurückblicken. Statt ersehnter ruhiger Friedensarbeit deuteten Vorboten auf den kommenden Krieg hin, die sich in ersten Luftschutz­übungen in der Schule, in ständigem Lehrerwechsel infolge Wehrübungen, in Schu­lungslagern der Oberstufenklassen äußerten. Im September 1939 erlebte die Schule erste Kriegsmaßnahmen Belegung durch die Wehrmacht und verlängerte Ferien, Einberu­fung der jüngeren Lehrer, Erntehilfen der unteren Klassen, vorzeitige Einziehung der Primaner ohne Reifeprüfung, Aufnahme von evakuierten Kindern und Lehrern aus der Saar-Westwallzone, Beginn der Sammelaktionen von Altmaterial. 1940 legte man Klassen zusammen, um Lehrer einzusparen. Kriegsstundentafeln regelten ein Mindest­unterrichtsprogramm. 1942 erschien die letzte Nummer der Schulzeitung, auf deren schwarzumrandetem Titelblatt die Namen gefallener Schüler und Lehrer standen.

Die Zahl der im Zweiten Weltkrieg gefallenen Schüler konnte nicht genau ermittelt werden, von den Lehrern der dreißiger Jahre blieben drei im Krieg. Der Krieg erfaßte die Schule immer mehr. Die noch amtierenden Lehrer mußten in den Ferien und in der Freizeit Dienst an der inneren Front, das heißt bei der Ernte, Polizei und im Luftschutz, tun. Die jüngeren Schüler waren in den Ferien immer im Ernteeinsatz, die Jahrgänge 1926 bis 1928 wurden als Flakhelfer in den Trierer Raum und nach Lothringen eingezogen. Fast alle zur Wehrmacht Einberufenen erhielten den Reifevermerk' der nach 1945 nur bedingt anerkannt wurde. Im Februar 1944 bestritten die letzte Reifeprüfung vier Schülerinnen. Unterricht fand noch bis Herbst 1944 statt, dann schickte man die Alumnatsschüler nach Hause. Der Direktor und zwei Lehrer wurden zu Erdarbeiten an den Westwall notverpflichtet' die übrigen Lehrer organisierten mit der Partei die Kinderlandverschickung. Im Dezember 1944 belegte eine Schlächtereikom­panie das Schulgebäude, das dann ab Januar 1945 als Lazarett einer Fallschirmjäger­einheit diente. Als im März 1945 der Krieg an der Mosel zu Ende ging, besetzten amerikanische Truppen die Stadt. Den Gymnasialbau belegte britisches, später französisches Militär. Die dabei als Souvenir erbeutete Schulfahne schickte ein Engländer 1948 zurück, der Steinweg-Flügel fand ein Jahr später heim.

4. Das Gymnasium nach 1945

Nach über einjähriger Unterbrechung wurde der Unterricht unter weit schwierigeren Verhältnissen als nach dem Ersten Weltkrieg im November 1945 zunächst in der Volksschule in der Schottstraße wieder aufgenommen, bis die Besatzungstruppen das Gymnasialgebäude freigaben. Die Schule unterstand anfangs dem im Januar 1946 gebildeten Oberpräsidium Rheinland-Hessen-Nassau in Koblenz, später dem Ministe­rium für Unterricht und Kultus in Mainz. Man begann wieder als neunklassiges Realgymnasium in der Sprachenfolge Französisch, Latein und Englisch, mit 231 Schülern (davon 98 Mädchen), mit sechs haupt- und drei nebenamtlichen Lehrern unter Oberstudiendirektor Dr. Bauer. Hunger, Kälte, Wohnungs- und Kleidungssorgen, nicht zuletzt die Entnazifizierung belasteten die Jahre bis zur Währungsreform. Der Schulbetrieb war besonders betroffen durch die Verkehrsmisere der Fahrschüler' da die Staats- und Moselbahn erst wieder 1947 normal fuhren, der Hunsrückbus noch später. Innerschulisch hemmte neben dem oft zwangverkürzten Unterricht die französische Militärregierung eine schnellere Entwicklung. Lehrereinstellung, Lehrpläne und -bü­cher standen unter strenger Kontrolle. Der Versuch einer ersten Schülerzeitung ,,Die Lupe" wurde nach zwei Nummern 1946 unterdrückt. Die einzigen Lichtblicke waren das intakte Gebäude, der immense Lerneifer der Schüler, besonders der Kriegsteilnehmer, und die Schulspeisung aus der Alumnatsküche. Nach der Reifeprüfung 1946 wurde nach französischem Vorbild das Zentralabitur eingeführt, bei dem das Gymnasium Tra­ben-Trarbach hervorragend abschnitt. Am 22. März 1948 gedachte die Schule ihrer Gründung vor 375 Jahren. Eine kleine Schrift von 0. Th. Müller gibt Kunde von der schlichten, aber sehr eindrucksvollen Feier, bei der der Protektor Ministerialdirektor Dr. Becker, nun Leiter des höheren Schulwesens im Lande, nach über 20 Jahren seine alte Schule wiedersah. 1950 hatten sich die Verhältnisse konsolidiert. Das Realgymna­sium änderte seinen Namen in Neusprachliches Gymnasium. Mit dem Anstieg der Schülerzahlen, mit 14 Lehrerplanstellen, mit der Zuweisung der ersten Nachkriegs­assessoren und Referendare, mit ausländischen Fremdsprachenassistenten blühte die Schule wieder auf. Eine neue Reifeprüfungsordnung und die alten Zensuren lösten das unpopuläre Zentralabitur und das Punktsystem ab; die Einrichtung einer Mädchen- Lyzealklasse blieb Episode. Zu echtem Demokratieverständnis sollten wieder Elternbei­ratswahlen, erste Satzungen für die Schülermitverantwortung, das neue Fach Politische Gemeinschaftskunde, Rechtskundeunterricht und das Jugendschutzgesetz führen. Englisch wurde bundeseinheitlich erste Fremdsprache (1957). Die Gründung der Realschulen Zell (1950) und Traben-Trarbach (1955) entlasteten das Gymnasium, das der Kreis Zell 1958 aus der Trägerschaft des Landes übernahm. 1961 beschloß der Kreistag auf Antrag von Oberstudiendirektor Dr. Roos den längst fälligen Erweite­rungsbau. Von 1963 bis 1967 wurden die alte Turnhalle und der ,,Tempel" abgerissen, der Altbau umgebaut. Dabei mußte unverständlicherweise auch die schöne, holzgetä­felte Aula mit dem Ehrenfenster zwei tristen Klassenräumen weichen. Die Baukosten für den Erweiterungsbau, die neue Turn- und Gymnastikhalle und die Modernisierung betrugen insgesamt 2,6 Millionen DM. Die festliche Einweihung nahm Kultusminister Dr. Bernhard Vogel am 19. Dezember 1967 vor. Diesen Jahren des Baulärms liefen parallel organisatorische Neuerungen, deren krönenden Abschluß zwei Kurzschuljahre (1966/67) bildeten. 1964 hatten die Schüler wieder die Schülerzeitung ,,Die Lupe" ins Leben gerufen. Bis heute sind mit Unterbrechungen zwölf Jahrgänge erschienen. Die Beseitigung des Bildungsgefälles und das Angebot der Chancengleichheit, der die Schulgeldfreiheit vorausgegangen war, brachte Ende der sechziger Jahre einen solchen Anstieg der Schülerzahlen - 1968 wurde erstmals mit 18 Klassen die volle Zweizügigkeit erreicht -, daß die Gebäude nicht mehr ausreichten. Als 1967 der Anbau bezogen wurde, hatte sich die Schülerzahl gegenüber dem Baubeschlußjahr 1961 fast verdoppelt (437 gegenüber 270). Die Aufstellung eines Pavillons für zwei Klassen auf dem Schulhof konnte nur ein Notbehelf sein. Ebenso beängstigend wie die neuerliche Raumnot war der empfindliche Unterrichtsausfall durch den Lehrermangel dieser Jahre. Über ein Jahrzehnt halfen ausländische, vornehmlich britische Lehrer aus.

Nach über einhundertfünfzigjähriger Zugehörigkeit zum Regierungsbezirk Koblenz und dem Kreis Zell kam Traben-Trarbach 1969 im Zuge der Neugliederung zum Regierungsbezirk Trier und dem neuen Kreis Bernkastel-Wittlich. Auf die Saarbrücke­ner Rahmenvereinbarung von 1960 zur Neugestaltung der Oberstufe mit Beschränkung auf Kern- und Wahlpflichtfächer folgte 1972 die Reform der Oberstufe nach dem Modell der Mainzer Studienstufe (MSS), deren frühestmögliche Einführung 1972 in Traben-Trarbach wahrgenommen wurde. Eine neue Schul- und Schülermitverwaltungs­ordnung schloß sich an. Das letzte Abitur alter Art fand 1976 statt.

1973 feierten 610 Schüler und 30 Lehrer den vierhundertsten Geburtstag ihrer höheren Schule. Der Einladung von Oberstudiendirektor Michel folgten von nah und fern viele Ehemalige. Die ältesten von ihnen hatten noch vor der Jahrhundertwende im alten Schulgebäude in der Brückenstraße die Bänke gedrückt. Vom 22. bis 24. Juni 1973 boten der Festakt mit Frau Staatssekretärin Dr. Launen und über zehn Veranstaltungen in der Stadt einen würdigen Rahmen. An der alten Lateinschule auf dem Kästel wurde eine Gedenktafel enthüllt. Wie hundert Jahre zuvor erschien zum Jubiläum eine Festschrift, die der reaktivierte Verein der Freunde des Gymnasiums herausgab. Seit 1970 beteiligte sich die Schule an den Wettbewerben ,,Jugend forscht" und ,,Jugend trainiert für Olympia" und stellte dabei Bezirks-, Landes- und Bundessieger. Arbeitsgemeinschaften im sportlichen, musischen und mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich knüpfen an die Tradition der zwanziger Jahre an. Das Kurssystem der Sekundarstufe II ließ bald den Ruf nach einem zweiten Anbau laut werden. Das inzwischen geschlossene Alumnat ,,Lutherhaus" wäre die ideale Ergänzung des gymnasialen Gebäudekomplexes gewesen, aber der Ankauf des Gebäudes war damals nicht realisierbar. So wurde 1979 mit dem Bau eines Fachtraktes für naturwissenschaftliche Räume, für ein Kunst- und Werkzen­trum, eine Mediothek, einen Aufenthaltsraum und eine Teeküche für die Oberstufe, mit Modernisierungen im ersten Anbau und im Altbau begonnen (Baukosten: 2,5 Millionen DM). Den zweiten Erweiterungsbau gab Staatssekretär Dr. Stollenwerk am 11. September 1981 in einer Feierstunde für den Unterricht frei. Abschluß der baulichen Maßnahmen soll anschließend der Bau einer Freisportanlage hinter der Turnhalle bilden.

Seit der Verstaatlichung standen dem Gymnasium bis heute zwölf Direktoren vor. Von 1895 bis 1982 erhielten 1553 Schüler das Reifezeugnis. Die Schülerexplosion und die Wahlmöglichkeit in der reformierten Oberstufe ließen die Abiturientenzahlen sprung­haft steigen. Die drei MSS- Jahrgänge 1976 bis 1979 brachten mit 143 Abiturienten die gleiche Zahl wie die 20 Reifeprüfungen von 1895 bis 1914. Im Jahre 1982 besuchten über 530 Schüler aus drei Landkreisen das Gymnasium. Ihre soziologische Struktur hat sich gegenüber der zu Beginn des Jahrhunderts völlig gewandelt. Die Zahl der Mädchen (290), der auswärtigen (380) und der katholischen Schüler dominiert. An der Schule, die 27 Lehrerplanstellen ausweist, sind 33 haupt- und drei nebenberufliche Lehrer, zwei Sekretärinnen und ein Hausmeister tätig. Als Bildungsstätte für Stadt und Land hat das Gymnasium Traben-Trarbach trotz mancher Krisen und Nöte über 400 Jahre segens­reich gewirkt.

1 Vgl. auch Kap. XIX zu 1934.

2 Vgl. a. a. 0.

3 Vgl. zu ihr Kap. XX.l.

Quellen und Literatur:

400 Jahre höhere Schule in Traben-Trarbach 1573  1973. Festschrift des Staatl. Gymnasiums. Hrsg. vom Verein der Freunde des Gymnasiums Traben-Trarbach, 1973. Darin: G. Böse, Annalen zur Schulgeschichte (bis 1973), 5. 7 31; 0. Böse und Ii. Havenstein, Dokumentation zur Schulgeschichte. Texte und Bilder für die Jahre 1888 - 1973,S. 96-192; Quellen und Literatur zur Schulgeschichte, 5. 193 - 195 und Ergänzungsblatt.

W. Michel, Einweihung des Gymnasiums Traben-Trarbach am 21. Dezember 1967. In: Heimatjahrbuch Landkreis Zell / Mosel, 1969, S.84 - 86. Schulchronik des Gymnasiums 1973 - 1982.

Mittelmosel-Zeitung (und Vorläufer, wie in Kap. XVII beschrieben), Jg. 1888 ff.

F.-J. Heyen: Nationalsozialismus im Alltag. Quellen zur Geschichte des Nationalsozialismus vornehmlich im Raum Mainz - Koblenz - Trier, 1967. In: Veröffentlichungen der Landesarchiv­verwaltung Rheinland-Pfalz, Bd. 9.

R. B 10 d au, Aus der Geschichte des Alumnats ,,Lutherhaus" in Traben-Trarbach. In: Heimat­jahrbuch Landkreis Zell/Mosel, 1966, S. 47 - 50.

 

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