3. Trabener und Trarbacher und Traben-Trarbacher Vereine im Rückblick

Das Casino zu Trarbach konnte keineswegs die bürgerliche Vereinsfreudigkeit befriedigen, zumal eine kleine Nuance gesellschaftlicher Distanz lange Zeit der Breitenwirkung abträglich war. So war es nur allzu natürlich, daß sich auf dem mannigfachen Gebiet menschlicher Ausdrucksformen: Sprache, Gesang und Kunst, Hören und Sehen, Bewegung und Sport, Werken und Wirken vor und nach 1904 Vereine und Gruppen bildeten, die das gesellschaftliche, gesellige und auch kulturelle Mitein­ander jedem Bürger öffneten. Dies ist auf der Ebene weit gefächerter Vereinstätigkeit das große Verdienst dieser Gemeinschaften und ihrer Initiatoren. In ihrer Aufgeschlos­senheit unterscheiden sich die Moselaner nicht von deutscher Vereinsliebe schlechthin, wohl aber die Trabener und Trarbacher vor 1904 in der Abgrenzung ihrer Blickfelder, wenn es um Vereinsgründungen ging. Das änderte sich zwar ab 1904, aber langsam -sehr langsam -, wie nachfolgende Vereinsübersicht zeigt.

Nur wenige Ausnahmen von Interessenverbänden sind aufzuzählen, die sich in den 125 Vereinen beider Stadtteile als verbindendes Moment verstanden und dies wohl auch nur dann, wenn unterschiedliche Auffassungen rechts und links der Mosel selbst beim besten Willen nicht zu finden waren. Fünf Bürger auf jeder Moselseite hätten zwar den somit zwei Vereinen genügt, aber zehn Mitglieder in einem Verein vertreten ihre Anliegen besser. Diese Meinung konnte sich vor 1904 gar nicht, nach 1904 zaghaft durchsetzen.

So haben im Umfeld von Wirtschaft und Beruf ein Weinhändlerverband Traben-Trarbach e. V., ein Deutscher Wirtschaftsverband Koblenz, Ortsgruppe Traben- Trarbach und Kreisverband Mittelmosel, ein Wirteverein Traben- Trarbach und Umgebung Ansätze zu dieser Geschlossenheit gezeigt und sich nach 1904 zu deutlich gemeinschaftlichem Wirken zusammengefunden. Aber schon die Winzer trennten ihre Verbände Mosel, Saar und Ruwer lokalbezogen in eine Ortsgruppe Traben und eine Ortsgruppe Trarbach. Nichts anderes hätte man von den Winzervereinen erwarten können, wenn es einen ,,Trarbacher Winzerverein" seiner Zeit schon gegeben hätte. Fortschrittlich waren nur die Trabener Weinbauern, die sich in einem Winzerverein Traben e.G.m.u.H. zusammenschlossen. Das Landwirtschaftliche Casino Traben-Trarbach - 1982 leider aufgelöst - übernahm sein Erbe ebenfalls aus zwei getrennten Gesellschaften: Traben e.G.m.b.H. und Trarbach e. V. Die Geldinstitute folgten diesem Beispiel mit einem Trabener Raiffeisen, Spar- und Darlehenskassen­verein e. G. m. u .H. und der Trarbacher Volksbank GmbH.

Bessere Akzente setzten unsere Handwerker in beiden Gemeinden, die auch nach 1904 schnell etwaige Trennungen zu überbrücken verstanden und sich in einer Fri­seur-Zwangsinnung des Kreises Zell, Traben- Trarbach e. V., Klempner- Zwangsinnung, Maler-  und  Anstreicher- Zwangsinnung,   Schlosser-Zwangsinnung,   Schneider- Zwangs-innung und die Schuhmacher und Schreiner in einer Freien Innung Traben-Trarbach e. V. zusammenfanden. Mit den Vereinigten Kohlenhändlern des Kreises Zell / Traben-Trarbach e. V. begegneten sich alle im Innungsausschuß des Kreises Zell mit Sitz in Traben-Trarbach und schlugen vereint auf den Tisch, wenn es notwendig wurde.

Vereint in Ortsgruppen Traben-Trarbach waren auch die Kellerei- und Getränkearbeiter, die Landarbeiter, die Staats- und Gemeindearbeiter. Und der Deutsche Beamtenbund, Ortskartell Traben- Trarbach sprach sich ebenfalls für die Doppelstadt aus. Der Lehrerverein Traben- Trarbach und Umgebung, der Reichsbund der Zivildienstberechtigten, Zweigvereinen Traben- Trarbach, der Reichsverband deutscher Kriegsbeschädigter und Hinterbliebener, Ortsgruppe Traben-Trarbach, der Haus- und Grundbesitzerverein, Ortsgruppe Traben-Trarbach folgten diesem Beispiel. Doch der Rindviehversicherungsverein Traben sah sein Wirkungsfeld wohl nur dort und der Ziegenverein Trarbach nur rechts der Mosel, als ob es Rindviecher und Ziegen nicht auch am anderen Ufer gegeben hätte. Stroh wurde am Trarbacher Moselufer gedroschen, folglich hieße es auch standes- standortbewußt Dreschverein Trarbach; natürlich wurde auch in Traben Stroh gedroschen. Dieser Stadtteil untergliederte sich noch einmal in die Litziger Bürgergesellschaft Traben e. G. m. u. H. und Bürgergesell­schaft Oberstadt Traben. Und Lotterie spielten nur die Trabener Bürger in der Lotteriegesellschaft Gute Hoffnung Traben.

Die Bienen schwirren weiträumiger, weshalb der Bienenzuchtverein Traben- Trarbach und Umgebung auch großzügig dem Flugfeld seiner Schützlinge folgte. Dem stand auch der Kleintierverein der Reichseisenbahner-Gesellschaft Traben- Trarbach nicht nach. Als überbrückende Gesellschaften oder Vereine bestanden außerdem die Wildbad GmbH Traben-Trarbach, die eingetragenen Vereine Strandbad Traben- Trarbach und Handwerker-Erholungsheim Traben- Trarbach sowie der Bauverein Traben- Trar­bach.

Keimten die Ansätze doppelstädtischer Vereinsvertretungen nach 1904 hier und da hoffnungsvoll auf, so streuten die parteiorientierten Verbände ihre Saaten von Anfang an breitflächig aus. Es gab den Deutschnationalen Handlungsgehilfen- Verband, Ortsgruppe Traben- Trarbach, das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Ortsgruppe Tra­ben-Trarbach, eine Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, Sturmabteilung Traben- Trarbach, den Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, Gruppe Traben- Trarbach. Das waren 38 Innungen, Vereine oder sonstige Interessenvertretungen, die allein im Bereich Wirtschaft, Beruf und Parteien ihre Mitglieder in Atem hielten. Sie zeigten jedoch Ansätze, das Denken in Kleinstgrenzen zu überwinden.

Der Trabener Kriegerverein e. V. blieb unter sich ebenso wie der Trarbacher Kriegerverein. Die Artillerie, Kavallerie und Marine agierten strategisch in größeren Aktionsradien, weshalb diese drei Vereine auch großzügig in Traben-Trarbach und teils Umgebung ihr Vereinsleben verwirklichten. Zusammen mit dem Verein ehemaliger Pioniere und Verkehrstruppen unterstellte man sich in den dreißiger Jahren dem Kriegerverband Traben-Trarbach. Jetzt war man eine Armee. In der NS-Zeit wurden die Kriegervereine zu Kriegerkameradschaften, die Vereinsführer zu Kameradschaftsfüh­rern. Der Dachverband war jetzt der NS-Reichskriegerbund ,, Kyffhäuser". Die Vereinsgeschichte dieses Kriegerverbandes Traben-Trarbach    in den Anfängen erkennbar in der Bürgerwehr Traben-Trarbach von 1848 mit ihrem Hauptmann Christian Korn und seinem Leutnant Karl-Friedrich Castendyck - wäre nur infolge langwieriger Archivarbeit offenzulegen und würde den Rahmen dieses Buches sprengen. Mitbegründer und später langjähriger Ehrenvorsitzender in diesen zivilen Bewältigun­gen vergangener Kriege war Vizefeldwebel Moritz Castendyck. Sein Sohn Oberstleut­nant a. D. Dr. Carl Castendyck, Vorsitzender des Kyffhäuserbundes bis 1945, trug die militärische Tradition zu Grabe. Die noch bis in die fünfziger Jahre erhaltene Vereinsfahne fiel Zierdeckchen zum Opfer, was kommentarlos mitgeteilt sei.

Drei akademische Zirkel, ein Altherrenbund Mittelmosel, ein Philisterzirkel Mosel und eine Vereinigung alter Burschenschaft/er der Mittelmosel runden das Bild der Kameradschaft ab. Die Vereinsannalen Ehemaliger Schüler des Gymnasiums werden in einem anderen Kapitel gestreift. Es wirkte dort ein Wissenschaftlicher Verein, dem auch die Goethegedenktafel am Böcking- Haus zu danken ist. Der Verein der Freunde und Förderer des Gymnasiums besteht und wirkt noch 1.

Im Bereich des Sports sah man vor und nach 1904 den Mannschaftsgeist noch weitaus begrenzter. Der Turngesellschaft Germania Traben wurde der Trarbacher Turnverein entgegengesetzt. Der Sportverein 1919 Trarbach hatte nur für diesen Stadtteil den Sport gepachtet, der Sportverein 1921 Travanna nur für Traben.

Der Alt-Herrenverband von 1851 e. V. des Gymnasial- Turn- und Rudervereins, der Ruderclub 1910 e. V. und der Kanuclub   alle Traben- Trarbach   kannten keine Grenzen. Es war der Fluß mitten durch die Doppelstadt, auf dem der Wassersport ausgeübt wurde. Und dem Gymnasial- Turn- und Ruderverein dürfte eine Sonderstel­lung zugebilligt werden: Er machte in Traben nur vor der Töchterschule halt.

Zaghaft wurden nach 1904 bei Neugründungen von Vereinen die Stadtteiltrennungen überwunden: Das Fähnlein der Nerother Wandervögel umfaßte die Doppelstadt, ebenso der Deutsche Pfadfinderbund, Horst Traben- Trarbach. Die katholische Sturmschar Deutsche Jugendkraft (DJK), Horst Traben- Trarbach, kannte zwar keine Stadtteilgren­zen, dafür aber konfessionelle. Und die Sozialistische Arbeiterjugend (S A J) Tra­ben-Trarbach, wie auch die Hitlerjugend (H J) Traben-Trarbach orientierten sich nicht an Lokalgrenzen, dafür aber an politischer Ideologie um so mehr. Der Tennisclub Wildbad Traben-Trarbach, der sich ein Jahr nach der Geburt der Doppelstadt gründete, nahm sich die politische Vereinigung als erster Verein zum Vorbild und beansprucht in dem Labyrinth der Vereine und Geistesrichtungen ein Vorbild doppelstädtischen Denkens. Er ging mit dieser Haltung der Radsportvereinigung Loretta Traben-Trar­bach, dem Auto- und Motorradclub Traben- Trarbach oder dein Anglerclub Tra­ben-Trarbach voran, deren Gründungen später liegen. Dabei darf dem Anglerclub ein gleiches intuitives Unterbewußtsein zugebilligt werden wie den Wassersportvereinen, daß sich die Fische und die Mosel nicht nach getrennten Ufern orientieren.

Der Kleinkaliberschießsport wurde im Kriegerverband Traben-Trarbach betrieben. Ohne Pulver, aber mit harten Bandagen, kämpften Athleten 1931 im Boxclub Traben-Trarbach in ihrem Vereinslokal ,,Zu den Alten Deutschen".

Den zahlreichen Kegelclubs sind trennende Ressentiments wohl nicht voll anzulasten, wenn sie sich in die Stadtteile Traben und Trarbach zurückzogen, weil der Standort der Kegelbahnen wohl mitbestimmend war. Es bestanden drei kleinere Trarbacher Kegel­clubs Stolz vorbei, Fidele Roller, Germania, die auf der Kegelbahn im früheren Gasthaus Marx in der Wildbadstraße ihre Kugeln schoben; ebenso vier Herren- und ein Damenkegelclub mit gleichem Ziel im Casino zu Trarbach und vier Herren- und zwei Damenkegelclubs Alle Neun, Gemütlichkeit, Gut Holz, Uns kann kener, Ohne ihn usw., die ihr Zuhause im Hotel Germania in Traben hatten. Zwei weitere Kegelclubs mit den hoffnungsvollen Zusätzen Einigkeit und Eintracht, die in der Festhalle in Traben ihre Runden ausrollten, bezogen ihre Namensgebung wohl nur auf die Vereinsmitglieder.

Wer glaubt, die Vereinsmöglichkeiten seien erschöpft, sieht sich getäuscht. Die Freiwillige Feuerwehr Traben und die Freiwillige Feuerwehr Trarbach gaben sich einst noch Vereinsstatuten. Der Verschönerungsverein Traben-Trarbach hat seine tolerante Linie dem Heimatbildner Dr. Ernst Willen Spies zu verdanken. Dessen Aufrufe und Bemühungen zu einem allumfassenden, verkehrswirtschaftlich zweckmäßigen, deutsch-heimatlichen und gemeinnützigen Heimatverein dienen auch dieser Zusammen­stellung als grundlegende Quellen. So waren jenem auch der Verschönerungsverein Traben-Trarbach und der Verkehrsverein Traben-Trarbach als Zersplitterung der Kräfte ein Dorn im Auge. Der Dualismus mündete im heutigen Heimat- und Verkehrsverein 2.

Der Vaterländische Frauen verein vom Roten Kreuz, Zweigverein Traben-Trarbach, stellte ein Kuriosum dar, indem seine Damen in vaterländischer Mission - wie zu erwarten - gesamtstädtisch auftraten, sich aber kirchlich noch einmal in einen Trabener Frauenverein und einen Gustav-Adolf-Frauenverein Trarbach spalteten. Politisch standen sie ihren Stahlhelmmännern im Bund Königin Luise mit blauer Kornblume zur Seite.

Im Bereich der Musen tat man sich noch schwerer: Die Trabener Einwohner marschierten hinter dem Trabener Musikverein, die Trarbacher hinter dem Trarbacher und die Traben-Trarbacher hinter dem Städtischen Musikverein. In Zeiten der politischen ,,Sammlung" blies man in der Doppelstadt auch farbenfroh: das Rot­front-Musikkorps rot, die SA-Kapelle braun, der Trommler- und Pfeifenzug des Gymnasiums klug, und der HJ-Fanfarenzug laut. Die Spielmannszüge pfiffen und trommelten, sie waren nicht zu überhören.

Warum sollte man vom Deutschen Lied anderes erwarten, als in dieser Doppelstadt üblich: Der Trabener Männergesangverein sang anders als der Trarbacher Männerge­sangverein. Ersterer hatte noch einen zweiten Chor, den Trabener Männergesangverein Frohsinn. Trarbach wollte mit einem Trarbacher gemischten Chor auch ,,zweigleisig" singen. Dagegen ist ein Männerquartett Traben-Trarbach über Anfangstöne nicht hinausgekommen. Wer sich aber als Traben-Trarbacher fühlte, der war Mitglied in dem Verein Freie Sänger Traben- Trarbach - die gab es auch.

Die evangelischen Gemeinden können bis heute das Stimmvolumen von Chören nicht unter ein Kirchendach bringen. Es bestand seinerzeit der Evangelische Kirchenchor Traben und der Evangelische Chor Trarbach. Der katholische Kirchenchor mit zwei Kirchen, aber einer Gemeinde gab ein besseres Beispiel: er nannte sich Cäcilia Traben- Trarbach. Der Mandolinenclub Traben- Trarbach zupfte verträglich die Saiten, und die Radio- Vereinigung Traben- Trarbach konnte die neu erfundenen Ätherwellen ohnehin nicht trennen. Dagegen blieb der Evangelische Jungmännerverein, Jugend­bundbläser Traben-Trarbach nur der Trabener Gemeinde treu, wie auch zwei Evange­lische Jungmädchenbünde sich entweder nach Traben oder nur nach Trarbach orientierten. So ist die evangelische Aufsplitterung ebenso bemerkenswert wie bei dem Katholischen Marienverein Traben- Trarbach und dem Katholischen Gesellenverein Traben- Trarbach die Einheit. Der Bildungsverein Traben- Trarbach und der Gymna­sialleseverein Traben- Trarbach sowie auch die 1931 von Studiendirektor Dr. Matthäus gegründete Ortsgruppe Traben- Trarbach des Verein für das Deutschtum im Ausland (VDA) kannten Grenzen nicht, dagegen hatte das Trabener Bildungs- und Lesekränz­chen diese Attribute anscheinend wieder nur für Traben gepachtet.

Aus einer Spaltung der Casinogesellschaft Trarbach in den Jahren 1868 bis 1881 bildete sich eine neue Gesellschaft Erholung, aus der noch ein Trarbacher Theaterverein hervorging. Echte Konkurrenz aber entstand der längst wieder versöhnten Casinoge­sellschaft durch das Bürgercasino Traben, welches sich, wie sollte man es anders erwarten, natürlich nur auf Traben konzentrierte. Dem Plagiat war keine Zukunft beschieden.

Es gab in der Stadt noch ein Freimaurerkränzchen zur Starkenburg Traben- Trarbach und einen Verein der Freunde der Brückenschenke e. V. Traben- Trarbach. Das Bauwerk steht zwar in Trarbach, gehört aber zur Brücke nach Traben. Da niemand die Sprachregelung in Frage stellte, ob die Brücke Traben mit Trarbach oder Traben und Trarbach verbindet, waren die Freunde der Brückenschenke Traben-Trarbach immer­hin tolerant. Dagegen blieb der Geselligkeitsverein Concordia Traben mit seinen Ortsansässigen unter sich, während die Geselligkeitsgesellschaft Humor, Gesang, Musik, Saufen   Traben- Trarbach in diesen Tätigkeiten wohl soviel Gemeinsamkeit sah, daß man die Doppelstadt als Vereinssitz eintragen ließ.

In den Jahren ab 1933 änderte sich im Vereinsleben der Stadt viel. Vereinsmüdigkeit tritt dann ein, wenn eine Organisation zur Pflicht wird oder Zwang verspüren läßt. Die nationalsozialistische Partei übernahm in ihren Gliederungen fast alles, was vorher von Vereinen freiwillig geboten wurde. Kultur wurde nicht mehr gepflegt, sondern im Kampfbund für Deutsche Kultur um sie ,,gerungen". Die Parteiorgane untergliederten sich in politische Zellen: Die SA hatte ihre eigene Kapelle, ihren Spielmannszug, die NS-   Frauenschaft ihren Mütterkreis - ihr Mutter und Kind. Es gab den NS-Lehrerbund e. V., die NS-Kriegsopferversorgung e. V., den Reichsbund Deutscher Beamten e. V., die NS-Volkswohlfahrt e. V. wohlgemerkt - das waren keine Gliederungen der Partei, sondern angeschlossene Verbände. Das braune Heer SA, SS, NS-Kraftfahrerkorps, NS-Fliegerkorps agierte zu Wasser, zu Land, in der Luft und auf dem Rücken der Pferde. Hitlerjugend und Deutsches Jungvolk marschierten außer in ihren Stämmen und Fähnlein in der Flieger- HJ, Motor- HJ, Marine- HJ, der Nachrichten- HJ, in der Sing- und Spielschar oder im Streifendienst. Der HJ-Bannstab politisierte im Bann 245 Gebiet 12 West - Westmark. Die Jungmädelbegeisterten sich in einer Spielschar oder in den Basteigruppen; der Bund Deutscher Mädel (BDM) poussierte in Turnen und Sport, in der Sing- und Spielschar, in Glaube und Schönheit. 1936 wurden HJ und BDM Staatsjugend. Für Vereine blieb da nicht viel Platz. - Aber sie durchstanden diese Zeit - weil traditionsbewußt gewachsen - und fanden sich sofort nach dem Kriege wieder unter sich. Die Zeit von 1933 bis 1945 bleibt für alle Vereine ein Intermezzo.

Von dieser Ära unberührt blieben die Karnevalsgesellschaft Fidele Kleinstädter und die Karnevalsgesellschaft Gute Hoffnung - beide Traben-Trarbach. Diese Vereine fanden sich nach dem Zweiten Weltkrieg in der Karnevalsgesellschaft Die Vaddere wieder, an deren großartiges Wirken in unserer Stadt mit Lob und Anerkennung erinnert werden soll.

Untersucht man die Vereinsfreudigkeit der gewordenen Doppelstadt im Hinblick auf die eingetragenen Vereinssitze, ergaben sich die Spaltungen aus der vorgegebenen Ortszugehörigkeit und dem dominierenden Standortbewußtsein: Die Trabener waren stolz auf ihren entwicklungsfähigen Ort und die Trarbacher auf ihre ,,Stadtrechte". Darüber hinaus sorgten die doppelten evangelischen Gemeinden für konstante Tren­nung, während die Katholiken die Einheit auch nach ihrem Anwachsen bewahrt haben. Parteipolitische und ideologische Spannungen setzten die letzten Akzente der Spaltun­gen.

Die vereinenden Gründe liegen entweder soweit zurück, als es trennende Tendenzen noch nicht gab und gemeinsame Not auch gemeinsames Handeln forderte, oder es war doch die Brücke, die als verbindendes Glied gesehen wurde. Hinzu kam der kluge Schritt zur politischen Vereinigung. In der jüngeren Zeit liegen die Ursachen des verträglichen Miteinander in der ,,Stunde Null" nach dem Zweiten Weltkrieg, also wieder in der gemeinsamen Not und der Forderung nach gemeinsamem Handeln. Die Hypothek unnatürlicher Zonengrenzen in einem geteilten Deutschland und die Überfremdung der Einheimischen werden auch mit dazu beigetragen haben, daß sich nach 1945 kein neuer Verein in die Stadtteile gespaltet oder zurückgezogen hat. Die Neubürger verstehen das Theater ohnehin nicht.

Erfaßt man die 125 Vereine einschließlich ihrer Untergliederungen statistisch 3, ignorierten insgesamt 53 Vereine aus der Zeit der voraufgegangenen politischen Trennung den Zusammenschluß; sie blieben kleinstlokalisiert. Das setzte sich mit Neugründungen noch fort bis in die zwanziger Jahre. 72 Vereine, gleich welcher Art, jedoch ausnahmslos nach 1904 gegründet, erweiterten ihren Horizont auf die Doppelstadt. Ohne Ausnahme bestehen die Vereine der ersten Kategorie nicht mehr oder haben sich fusioniert. Ein Fortfall von Existenzberechtigung oder politischer Umschichtung sind bei dieser Feststellung berücksichtigt. Somit sind realistische Ziele einer heutigen Gemeinschaft, oder wie man auch sonst das Vereinsleben in Klubs, Gesellschaften oder Gruppen aufgliedern mag, nur noch ,,bürgervereint" zu erreichen.

Aus der Namensgebung und Lokalisierung der Vereinsflut läßt sich erkennen, aus welchem Herkommen sich Mitglieder zusammensetzten. Die älteren Zusammenschlüsse entstanden aus Bürgern der Ortsteile, der Konfessions- und Parteienzugehörigkeit und aus Menschen mit gleichen Interessen; die jüngeren Zusammenschlüsse und die der Gegenwart bilden sich nur noch aus Bürgern mit gleichen Interessen. Die Vereine haben längst ihre Tore weit geöffnet. Dies gilt auch für die Gesellschaft Casino und den Tennisclub e. V., in die - weil distinguiert - man sich anfänglich nicht so recht traute. Die politischen, konfessionellen oder gar sozialgeschichteten Dominanten sind nicht mehr entscheidend.

Wir verlassen den Gesamtüberblick des Vereinswesens vor der Vereinigung und in der Doppelstadt und wenden uns den Gemeinschaften zu, die sich erhalten oder in jüngerer Zeit gebildet haben. Die Annalen würdigen die Impulse, die letztlich von allen Vereinen ausgingen, die Tradition, Brauchtum und kulturelle Werte bewahrt haben. 

 

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