5. Die musikalischen und traditionspflegenden Vereine

Eine Kultur tragen, heißt mit ihr leben, sie zu pflegen und zu vermitteln durch verschiedenste Ausdrucksformen. Kultur ist alles das, was von einem Volke in einer Epoche oder im Laufe der Geschichte überhaupt zur Veredlung des Menschen und Vervollkommnung der menschlichen Gesellschaft vollbracht worden ist. Hiermit sind auch Vereine angesprochen, die in ihrer Geschlossenheit im Volke integriert und als Erben und Träger der Kultur auch deren Bewahrer sind 4

Das Eigenleben auch der rein musischen Vereine in den getrennten Gemeinden ist hartnäckig und intensiv. Die Mosel bleibt Grenze, bewahrt den Dualismus und ,,intrigiert" in diesem kulturellen Bereich mehr, als sie integriert. Selbst im Dialekt finden sich Unterschiede. Die Auswirkungen dieser historischen Entwicklung des Vereinslebens bleiben in beiden Gemeinden bis in die jüngste Zeit zwar fühlbar, doch werden sie durch die Moderne überdeckt und abgebaut. Alles Getrennte findet schließlich doch den Weg zur Gemeinsamkeit nach der Geburt der Doppelstadt.

Als Kulturgut dominiert das Lied. Dem Gesangverein 1837  Traben- Trar­bach gebührt eine Würdigung seiner traditionsreichen Geschichte, seines Wirkens und seiner Kulturarbeit auch im Hinblick auf seine gesellschaftliche Bedeutung. Er zeigt sich heute als Gemischter Chor und ist die älteste Gemeinschaft der Stadt im Sinne eines Vereins. Dieser hat in ständiger Erneuerung und Anpassung an die Zeit viele Höhen, aber auch Tiefen überdauert. Über die Stadt hinaus zählt der Chor zu den frühen Gesangvereinen in Deutschland. Am Anfang der Bildung von Chorvereinen (außerhalb der Kirchen) stand die Berliner Singakademie, bei der zum erstenmal am 24. Mai 1791 achtundzwanzig Mitglieder zusammenkamen. Nur sehr langsam folgte man dem Berliner Beispiel. 1818 gab es in Deutschland neun Gesangvereine. Mit der Gründung der ,,Stuttgarter Liedertafel 1824" wurde eine Entwicklung eingeleitet, die etwa in den Jahren 1860 bis 1870 erste Glanzpunkte erhielt. So kam es 1862 in Coburg zur Vereinigung der Chöre zum Deutschen Sängerbund. Zu dieser Zeit war unser Gesangverein schon 25 Jahre alt. Mit den beiden Kernzellen des heutigen Chores, dem Männer- Gesangverein Traben von 1837 und dem Trarbacher Männer- Gesangverein von 1843 liegt die Stadt Traben-Trarbach mit an der Spitze von Pionieren des weltlichen Chorgesanges, in guter Gesellschaft zum Beispiel mit dem berühmten Kölner Männer-Gesangverein von 1842. Zu diesem Chor werden noch heute freundschaftliche Beziehungen unterhalten.

Die Gründung des Trabener Männer-Gesangvereins erfolgte im Sommer 1837 durch zwanzig sangesfreudige Brüder; im Sommer 1843 folgte der Trarbacher Männer-Ge­sangverein unter der Leitung des Ersten Lehrers Cantor Theodor Matthiae. Dieser hatte schon zwei Jahre vorher einige stimmbegabte Männer zu einem Quartett vereinigt, aus dem später der Männer - Gesangverein der ,,Stadt" hervorging.

Im Jahre 1866 gründete sich der erste gemischte Chor, der Trarbacher Gesangverein, der bis zum Jahre 1909 bestand. Dieser Chor war im wesentlichen aus Mitgliedern der Gesellschaft Casino gebildet. Die Protokolle aus der Gründerzeit wurden bei dem großen Brand von 1857 ein Opfer der Flammen. Ab 1866 sind die Protokollbücher lückenlos vorhanden.

Am 18. Oktober 1880 wird ein zweiter Männerchor in Traben gegründet: Der Trabener Männer-Gesangverein Frohsinn. Mit dieser Bestandsaufnahme von zwei Gesangvereinen in Traben, einem Gesangverein und einem gemischten Chor in Trarbach vereinigten sich die Gemeinden Traben und Trarbach, nicht aber die Chöre.

Dies änderte sich erst 1934. Der Trabener MGV 1837 und der Trarbacher MGV 1843 beschließen, von nun an gemeinsam zu konzertieren, wobei aber die Eigenständigkeit der Vereine erhalten bleiben soll. Diese ,,einstimmige Ehe" hält nur bis in die Kriegstage des Zweiten Weltkrieges. Nach der Wiederzulassung des Vereinsgesanges durch die französische Besatzungsmacht nehmen die drei Vereine ihre Tätigkeit wieder getrennt auf. Die anfängliche Begeisterung hält nur wenige Jahre. 1949 wird der bisherige Trabener Männer-Gesangverein Frohsinn in den Gemischten Chor - Frohsinn umgebildet. In diesem Chor brillieren nun Damen und Herren aus beiden Stadt­teilen.

Die beiden verbliebenen Männer-Chöre bilden ab 1957 wieder eine Arbeitsgemein­schaft, die im Jahre 1963 zur Fusion unter dem neuen Namen: Traben-Trarbacher Männer-Gesangverein 1837 / 1843 führt. Als die Stimmengewalt des Frohsinn 1963 aus Desinteresse zum Erliegen kommt und auch ein Mangel an Tenören nicht mehr zu überhören ist, kommt es 1966 nach Höhen und Tiefen zur Fusion und Form der heutigen Gemeinschaft Gesangverein 1837 Traben- Trarbach. So schwer tat man sich kulturell, bis der gemeinsame Ton gefunden war. Allein die Story an Listen und Kämpfen um die zum Beispiel paritätische Zusammensetzung des Vorstandes belegt das Hickhack' nach einer politischen Vernunftehe auch zur kulturell-gefühlsmäßigen Liebesehe zu finden. Dieses Werben dauerte 62 Jahre.

Auch heute, im Zeitalter der modernen Massenmedien Rundfunk, Fernsehen und der bis zur höchsten Vollendung gefertigten Musikkonserven' bleibt die Pflege des Liedes erste Aufgabe des Chores. Aber es stellt sich damit auch die zweite: das Angebot der Geselligkeit und der sinnvollen Freizeitnutzung. Der Gesangverein, in dem jung und alt gemeinsam aktiv sind, bietet wie kaum eine andere Gemeinschaft auch Neubürgern die Möglichkeit, sich leichter in die neue Heimat eingewöhnen zu können. Damit ist gar eine kulturpolitische Konzeption umrissen.

Das dominierende Wirken in beiden Teilen der heutigen Doppelstadt rechtfertigt einen tieferen Blick in die Chronik der Sangesfreunde. Chorleiter wie Präsidenten hatten und haben - wie heute in jedem Verein - immer einen persönlichen Anteil an dem Wirken, am Niveau und an der Leistung. Eine umfangreiche Namensliste aller verdienten Chorleiter und Präsidenten ist auch im Hinblick auf die ältere Stadtgeschichte angebracht:

Männer-Gesangverein 1837 Traben
Chorleiter: 1889 - 1911 Lehrer Jakoby, 1911 - 1951 Musikdirektor Josef Gschwend' 1951 - 1956 Musiklehrer Edmund Ostlaender,  1956-1962 Chordirektor Willi Schmidt.
Präsidenten: 1903 - 1906 Hermann Arnoldi, 1906 - 191 t August Ripp, 1911 - 1920
Bernhard Wendhut, 1920 - 1934 Max Pothmann, 1934 - 1937 Emil Mankel,
1937 - 1941 Emil Haußmann, 1941 - 1947 ruhte der Verein (Zweiter Weltkrieg),
1947 - 1949 Rudolf Bauer, 1949 - 1962 Emil Haußmann.
Männer-Gesangverein 1843 Trarbach
Chorleiter: 1866 - 1905 Lehrer Philipp Simon, 1905 - 1948 Musikdirektor Josef
Gschwend, 1948 - 1955 Oberlehrer Nikolaus Grünewald, 1955 - 1962 Chordirektor
Willi Schmidt, (1955 - 1960 Kreischormeister des Sängerkreises (SK) Zell im Deutschen
Sängerbund (DSB).
Präsidenten: 1887 - 1913 Carl Faust 1, 1913 - 1924 Carl Baldes, 1924-1932 Richard Simon, 1932-1944 Max Kuß (1955 - 1958 Zweiter Vorsitzender des Sängerkreises Zell im Deutschen Sängerbund), 1944 - 1946 ruhte der Verein (Zweiter Weltkrieg), 1946-1950 Friedrich Presser, 1950-1955 Paul Faust, 1956-1962 Walter Caspari.
Trabener Männer-Gesangverein ,,Frohsinn"
Chorleiter: 1887 - 1906 Lehrer Jakoby, 1906 - 1933 Philipp Bauer, 1933 - 1935 Wilhelm Hammes, 1935 - 1937 Lehrer Alfons Braun, 1937 - 1962 Chordirektor Willi Schmidt.
Präsidenten: 1880 - 1906 Wilhelm Mayer, 1906 - 1909 Hermann Dinkel, 1909 - 1913
Mathias Krips, 1913 - 1920 Heinrich Bauer, 1920 - 1923 Carl Ochs, 1923 - 1925
Edmund Krips, 1925 - 1928 Hermann Xylander, 1928 - 1939 Nikolaus Heffels,
1939 - 1948 ruhte der Verein (Zweiter Weltkrieg), 1948 - 1949 Nikolaus Heffels,
1949-1952 Wilhelm Xylander, 1952-1962 Hugo Molz.
Männer-Gesangverein 1837 / 1843 Traben-Trarbach
Chorleiter: 1962-1966 Chordirektor Willi Schmidt.
Vorsitzender:1962 - 1966 Walter Caspari.
Gesangverein 1837 Traben-Trarbach
Chorleiter: Chordirektor Willi Schmidt (seit 1968 Kreischormeister).
Vorsitzende: 1966-1967 Walter Caspari, seit 1967 Albert Sonntag (seit 1971 Erster Vorsitzender des SK Zell im DSB).

Aus der Vielzahl der Konzerte und Veranstaltungen sind herausragend ab 1903 in Trarbach: Das ,,Riesenfest" über drei ,,volle" Tage (und Nächte) mit über 1000 Sängern und 37 Gastvereinen. Besondere Erwähnung verdient das Ehrensingen um Preise Ihrer Majestät der Kaiserin Auguste Viktoria, seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Heinrich von Preußen, seiner Königlichen Hoheit des Erbgroßherzogs von Baden und Seiner
Exzellenz des Oberpräsidenten der Rheinprovinz, Wirklichen Geheimrat Dr. von Nasse.
In Traben feierte man 1910 das dreißigjährige Stiftungsfest des ,,Frohsinn" mit über 800 Sängern.

Etwa ab 1903 beginnt die Zeit der Gesang bis Wettstreite - zum Ende der dreißiger Jahre. Die Vitrinen aller drei Vereine sind gefüllt mit ersungenen Pokalen, Trinkhörnern und sonstigen in vielen Wettsingen ,,ertrillerten" ersten, zweiten und dritten Ehren- und Dirigentenpreisen. Leider mußten schöne Trophäen als ,,Metallspende" im Zweiten Weltkrieg abgegeben werden.

1937: Hundertjähriges Jubiläum des ,,Trabener MGV" in Arbeitsgemeinschaft mit dem ,,Trarbacher MGV". Sechsundfünfzig Vereine von der Mosel, der Saar, vom Rhein und aus dem Ruhrgebiet sind als Gastvereine anwesend und erleben die feierliche Verleihung der Zelter-Plakette durch den Bundes-Sängerführer

1943 wird die Zelter- Plakette an den ,,MGV Trarbach" verliehen. Nach 1945 bleibt von den Sängerwettstreiten wohl nur noch der Streit: die Neugründungen erfolgen wieder getrennt. Die drei Chöre beleben das aus den Trümmern erwachende Kulturleben mit wertvollen Konzerten unter Beteiligung weit- und weltbekannter Solisten: des Baritons und Kammersängers Heinrich Schlusnus, der Tenöre Franz Völker, Max Fleck, Walter Habernicht, Paul Keppeler, Friedrich Eugen Engels, Josef Ellerich und Jacob Heuser, der Sopranistinnen Elisabeth Kreisel- Grosser, Hedwig Obst, Lucie Schulz und Hanna Lohde.

Diese Konzerte, Lichtpunkte im wiedererwachenden kulturellen Leben der Stadt, stehen auf beachtlichem Niveau, umfassen alle Variationen des Chorgesangs von A-capella- Chören, über Begleitung durch Klavier, Streich-, Akkordeon-, Mandolinen- Orchester oder Rhythmus-Gruppen, mit Gesangs- und Instrumental-Solisten, Klavier, Violine, Cello und Gitarre . Sie bieten eine breite Palette vom einfachen Volkslied über Chorwerke, Oper, Operette bis zum Musical.

Aus der weiteren Arbeit des heute sehr aktiven Sängerkreises sind zu erwähnen die Besuche bei Veranstaltungen im engeren Heimatbereich, die Mitwirkung bei den in zweijährigem Rhythmus stattfindenden Freundschaftskonzerten des Sängerkreises oder der Kontakt und die Freundschaft zu dem Polizeichor ,,Blaue Jungs", Hamburg-Har­burg. Das Konzert beim Ersten Bundessängerfest in Trier 1953 und das Konzert ,,Arbeit ist Mühsal und Gnade" im überfüllten neuen Saal des Kurfürstlichen Schlosses in Mainz anläßlich des Zweiten Bundessängerfestes Rheinland-Pfalz 1958, bedeuten den Gesangvereinen Höhepunkte in Leistung und Anerkennung. Unter Leitung von Willi Schmidt sangen damals in Chorgemeinschaft: MGV 1837 Traben, MGV 1843 Trarbach, MGV 1945 Enkirch und MGV ,,Eintracht" Briedel und brachten die Titelkomposition ,,Arbeit ist Mühsal und Gnade" des Chorleiters zur Uraufführung.

Auch moselauf - im 1968 eingemeindeten Stadtteil Wolf - erklingt das deutsche Lied nicht minder gepflegt und bewahrt. Es war die Initiative des Lehrers Karp, die 1866 zur Gründung des Männergesangvereins Wolf führte, und ein Lehrer war es auch, der nach dem plötzlichen Tod des Gründers dessen Werk weiterführte. Die 1869 geweihte Vereinsfahne gehörte mit zum Requisit eines gestandenen Vereins, wie auch der Lehrer oder Pfarrer zur dörflichen Entfaltung. Denn nur hier - bei den ,,Studierten" - webten sich in deren Händen die Schicksalsfäden dörflicher Initiativen. So bestätigt die Chronik, daß nicht unbedingt Kriege, wie 1870, 1914, 1939, oder Notzeiten Vereinsleben und Leitung in Frage stellten, sondern nur und ausschließlich der Lehrer als Chorleiter, Organisator, Förderer und ,,Kulturdenkmal". Die Chorlei­tung des Vereins lag ununterbrochen bis in die sechziger Jahre unter pädagogischer Stabführung.

Die Vereinsführung, der auch das gesellschaftliche Wirken oblag, blieb Bürgerauf­gabe. So waren von 1866 bis heute ausschließlich Wolfer Bürger Vereinsführer:

1866-1892 Ludwig Dinkel, 1893 - 1914 Adolf Hermann Emmerich, 1920-1922 Otto Erbes, 1923 - 1929 Kurt Emmerich, 1930 - 1931 Otto Clauß-Theis, 1932 - 1939 Gustav Ketschau, 1948-1952 Oskar Emmerich- Allmacher, 1952 - 1953 Karl Emmerich- Karp und Herbert Boor, 1954 - 1955 Walter Diefenbach, 1956 - 1963 Heinz Steinmill, 1964 - 1974 Eugen Claus. Ab 1975 präsidiert Friedhelm Göhl. Gegenwärtig zählt der Verein 33 aktive, 63 inaktive und drei Ehrenmitglieder.

Als sich die Nachbarstadt Traben-Trarbach 1904 zur Doppelstadt zusammenraufte, war Wolf noch eine selbständige Dorfgemeinde, nicht durch Straße und Brücke, wohl aber kurze Zeit später durch die Moselbahn mit der Außenwelt verbunden. Gerade die stiefmütterliche Isolierung durch schlechte Verkehrsverbindungen verdeutlicht die kulturellen Leistungen, die ein solcher Zusammenschluß im MGV Wolf für die dörfliche Gemeinschaft vollbrachte. So schallte schon lange vor 1904 das Wolfer Lied laut über die Grenzen der dörflichen Heimat. 1874 lohnte bereits der Besuch benachbarter Vereine aus Traben, Trarbach, Bernkastel, Graach, Veldenz und Irmenach zum ersten größeren Sängerfest ,,Im Herrengarten" in Wolf, um mit gleichwertigen Sangesbrüdern die Stimmen zu messen.

Festfreudig wurde man jedoch erst ab 1907 intern und auswärts, so daß die Seiten der Chronik von Sängerfesten in Traben, Wehlen, Graach, Kautenbach und Irmenach und von Sängerfahrten zum Niederwald am Rhein, nach Trarbach, Veldenz, Kröv und Enkirch berichten.

In dieser Zeit, von 1909 bis zu seinem Sterbejahr 1929, leitete Lehrer Gillmann den Chor. Er verstand es, den MGV als Pflegestätte deutschen Kulturgutes im Ort Wolf ,,unauslöschlich zumachen", so der Chronist. Die Lehrer Weber und Kohr dirigierten ab 1929 als Nachfolger und brachten das Stimmenmaterial auf beachtliche Höhe.

Aber noch ein Prunkstück bildete sich ab 1929: der ,,Quartettverein", der sich am 1. August 1933 mit dem alten Männergesangverein vereinigte. In dem neuen Vereinsnamen ,, MGV 1866 / 1929" bleiben die Gründungsjahre verewigt.

Lehrer Moser und Musikdirektor Gschwend, Traben-Trarbach, führten den MGV nach dieser Fusion bis über die Kriegsjahre. Am 4. Juli 1948 wurde nach längeren und schwierigen Verhandlungen der Gesangverein neu ins Leben gerufen. Als Dirigent konnte Musiklehrer Willi Schmidt aus Traben-Trarbach gewonnen werden.

Auch die folgenden Jahre gaben den Lehrern eine Selbstbestätigung am Dirigenten­pult, den Vorsitzenden genügend Betätigung im Vereinsleben, den Sängern Ehrgeiz und Auftrieb und den Bürgern oft Gelegenheit, gesellschaftlich an örtlichen und auswärtigen Vereinsfesten teilzunehmen. Denn nichts konnte mehr geschehen ohne Lied. So sahen und hörten die Jahre von 1948 bis 1963 Wolfer Stimmen auf großen und kleinen Festen, Reisen, Veranstaltungen, Freundschaftsbesuchen oder Wolfer Weinfesten in einer den Rahmen sprengenden Vielzahl und Aktivität, die allen Beteiligten zu höchster Ehre und Anerkennung gereicht.

Der 1. Juni 1963 war ein bedeutungsvoller Tag: Die Feierlichkeiten aus Anlaß der Brückeneinweihung wurden herausragend vom MGV mitgeprägt. Das gleiche Jahr zeigte einen überfüllten Terminkalender mit Besuchen und Gegenbesuchen - und so dauert es an bis zur Stunde.

Gegründet wurde der Gefangenenchor Traben-Trarbach 1976. Fr hat sich die Aufgabe gestellt, das Heimat- und Volkslied zu pflegen, Konzerte abzuhalten, sowie als Gastchor an auswärtigen Konzerten teilzunehmen. Kameradschaft und Geselligkeit sollen helfen, diese Aufgaben zu erleichtern. Sein Erster Vorsitzender ist Peter Schepp, sein Nachfolger nach drei Jahren Berthold Aatz; geleitet wird der Chor von Heinrich Kappel.

An beachtlichen Erfolgen kann bereits verbucht werden: die Teilnahme an dem Kreisfreundschaftssingen des Sängerkreises Zell in Zell- Kaimt und an mehreren Freundschaftssingen in der näheren und weiteren Umgebung. Die Mitwirkungen an dem Traben-Trarbacher Weinfest und der aus diesem Anlaß stattfindenden Weinprobe, das Singen am Trarbacher Markt sowie beim Trabener Jakobstag zeugen von heimatver­bundener Einstellung. Ständchen im Krankenhaus und Altersheim gehören zu einer lobenswerten sozialen Tätigkeit.

Der Chor hat heute 22 aktive und 120 inaktive Mitglieder. Er ist Mitglied des Deutschen Sängerbundes und hat sich inzwischen einen guten Namen gemacht. Aus einer Laune wurden beachtliche Laute, zumal mit der Chorleitung durch Heinrich Kappel hohes Niveau erreicht werden konnte. Seinen Namen entlehnt der ,,Gefange­nen-Chor" dem Vereinslokal ,,Im Kittche" in der Brückenstraße. Das ehemalige Gefängnis wandelte sich nach Auflösung des Amtsgerichtes zu einem gemütlichen Lokal, in dem die alte Zelleinrichtung erhalten blieb.

Der Musikverein Traben-Trarbach ist so alt und so bekannt in unserer Stadt, daß man ihm eine geschichtliche Entwicklung schon nicht mehr abnimmt. Er scheint vertonte Stadtgeschichte von Anfang an zu sein. Was sich auch seit eh und je in den altehrwürdigen Mauern zugetragen haben mag, die Musik war immer dabei. Ob man die Anfänge bei den Hornbläsern im 13. Jahrhundert sucht, bei Instrumenten wie Gambeln, Violen, Zimbeln oder Krummhörnern oder erst im Jahre 1900, als sich sechzehn Musiker zu einem Verein zusammenschlossen, bleibt unerheblich. Bezeich­nend ist nur, daß die Gründung auf die Trarbacher Seite beschränkt blieb. Der Erste Vorsitzende war Karl Mantei, der Dirigent Berthold George. Musiziert wurde bei fast allen Anlässen - beim Kriegerverein, bei den Feuerwehren, Einweihungsfeiern, Beerdigungen, im Casino oder Kurpark des Wildbades. Unvergessene Kindheitserinne­rungen bleiben die Weihnachtslieder am Heiligen Abend vom Mühlrechberg.

Dann macht das Protokollbuch einen großen Sprung bis zum 14. August 1920. Carl Kullmann wird als neuer Vorsitzender gewählt, die Stabführung bleibt bei Berthold George, ebenso ab 1925, als Carl Dantz den Vorsitz übernimmt. Auffallend aber bleiben in dem Protokollbuch die Notizen, daß auch bei Einladungen oder Mitwirkung anderer Vereine nie die ,,Trabener" Brüder unter dem ,,alten De Ruysser" dabei sind.

Erst ab 1934 führt der Verein die Namensbezeichnung ,,Traben-Trarbach". Im Zuge der Gleichschaltung finden sich viele Musiker entweder in der SA-Kapelle oder im Musikverein wieder, teils in beiden Kapellen. 1946 bläst man wieder, - Berthold George ist noch immer dabei. Erst 1950 legt er den Taktstock aus der Hand und stirbt 1956. Fortgeführt wird die Dirigententätigkeit von Ludwig Melchior bis 1966, Fritz Krempel bis 1972, Fritz Tiedt und Harald Kretmar. Ab 1973 übernimmt Karl Ecker als Erster Vorsitzender und Dirigent den Musikverein Traben-Trarbach und führt ihn noch heute.

Seit dem 11. Mai 1962 besteht die Orchestergemeinschaft Traben-Trar­bach e. V. als ,,eingetragener Verein" in der Stadt Traben-Trarbach. Die Bezeichnung ,,Gemeinschaft" wurde bewußt gewählt. Sie knüpfte an die Tradition der Orchesterge­meinschaft von 1933 an (Dirigent Willy Hammes), die in der NS-Zeit als Kampf­bundorchester in den Kampfbund für Deutsche Kultur hineinbefohlen wurde. So vielen Kampfgetöses mit Noten und Musikstil müde, wurden mit der ,,Gemeinschaft" die ,,Kampfinstrumente" wieder dem edlen Wettstreit, nämlich dem Konzertieren, zurück­geführt. Es sollte allen musizierfreudigen Bürgern die Gelegenheit gegeben werden, in einem größeren Kreis dieser Muse zu huldigen.

Der damalige Erste Vorsitzende, Apotheker Otto Völcker' wurde aus Altersgründen später von Oberstudiendirektor Dr. Christian Roos abgelöst. Nach dem Wegzug von Dr. Roos in seine Heimatstadt Köln übernahm Apotheker Klaus Völcker den Vorsitz.

Gründer und Initiator des Orchesters war Karl Klütsch, Organist und Chorleiter der Katholischen Kirche Traben-Trarbach, heute Musiklehrer am Gymnasium in Bernka­stel-Kues. Für seine ehrenamtliche Tätigkeit wurde ihm 1977 in einer Feierstunde im Hofgut Machern / Zeltingen die Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz verliehen.

Seit dem Gründungskonzert am 21. Oktober 1961 im evangelischen Gemeindehaus Traben hat die Orchestergemeinschaft viele und gut besuchte Konzerte aufgeführt. Mit diesem Gründungskonzert wurde seiner Zeit das Wintersemester 1961 / 62 des Volksbil­dungswerkes eröffnet. Dem beharrlichen Bemühen des damaligen Leiters, Oberstudien­direktor i. R. Dr. Matthäus, ist es zu danken, daß sich aus einem Streichorchester ein Symphonieorchester mit Bläsern entwickelte. Oboe, Fagott und Horn wurden mit Hilfe von Landeszuschüssen angeschafft, außerdem ein Cello' ein Kontrabaß und die so wichtigen Pauken. Da der Orchesterleiter während seines Studiums in Mainz Kontakte mit anderen Musikern aufnehmen konnte, die gerne bei den Konzerten mitwirkten, war die Möglichkeit zu Symphonien' wie der 88., 94. und 100. Symphonie von Haydn gegeben. Die Aufführung vieler Solokonzerte brachte der Orchestergemeinschaft das Vergnügen, mit vielen bekannten Solisten zu musizieren, gab aber auch dem Nachwuchs die Möglichkeit, sein Können unter Beweis zu stellen. Georg Klütsch wurde im Wettbewerb ,,Jugend musiziert" nacheinander Regional-, Landes- und Bundessieger. Nach seinem Schulmusik- und Konzertexamen ist er heute Fagottist bei den Bamberger Symphonikern.

Klassische Werke unter fachmännischer Führung gemäß ihrem Können gehören heute ebenso zu dem Repertoir des Klangkörpers' wie Volksweisen und Hausmusik. Ausgebildete Musiker, Schüler, Berufstätige und Hausfrauen aller Altersstufen, die klassische Instrumente wie Geige, Bratsche, Cello, Kontrabaß, Querflöte, Klarinette, Oboe, Fagott, Horn, Trompete, Pauken oder Klavier spielen und über die Anfänge hinaus sind, kommen regelmäßig zu Proben im Bürgersaal des Rathauses Traben zusammen.

Leider verlassen viele Jugendliche nach dem Schulabschluß die Stadt und damit das Orchester, so daß der Stamm der älteren Musiker immer wieder auf Nachwuchskräfte angewiesen ist. Erfreulich ist aber, daß trotz aller Unkenrufe noch relativ viele Jugendliche ein Instrument erlernen, zumal es durchschnittlich vier Jahre dauert, ehe ein Bläser oder Streicher größere Werke spielen kann.

Die Orchestergemeinschaft wirkt bei vielen Veranstaltungen in der näheren und weiteren Umgebung mit, so bei dem Konzert in Zweibrücken zum ,,Tag der Hausmusik" oder bei der Verleihung der Europaplakette in Kröv, bei der Einweihung des ,,Ida- Becker- Altenheimes" , bei allen Oratorienaufführungen und festlichen kirchlichen Veranstaltungen der katholischen Kirche oder beim Familienabend des evangelischen Kirchenchores Traben. Das Orchester erbringt in der Stadt Traben-Trarbach eine hohe kulturelle Leistung, der die eigene Instrumentalbeherrschung nicht nachsteht.

Bewegung und Musik, Anmut und Folklore vereinen sich in der S t ä d t i s c h e n V o l k s t a n z g r u p p e  T r a b e n - T r a r b a c h. Ihr Wirkungskreis sind Auftritte im In-und Ausland, um für Heimat und Brauchtum zu werben. Gegründet wurde sie 1934 von Frau Margarete Rumpel und seit 1951 bis heute von Frau Lotte Peda geleitet. Die Volkstanzgruppe - in heimischer Winzertracht - hat 16 bis 20 Mitglieder.

Bekannt und international geschätzt wurde das lustige Völklein in seinen bunten Trachten 1935 in Berlin bei der Funkausstellung, 1952 in Konstanz, 1958 in Bozen und Innsbruck, 1968 bei der Mitwirkung eines Galaempfanges mit Weinprobe in Bourne­mouth / England. Aber auch in den Städten Kiel 1952, 1953, 1954 und 1955 oder München 1961 wurde gezeigt, wie es sich an der Mosel tanzen läßt. 1966 ergab sich ein Auftritt im Fernsehen bei der Sendung ,,Blick ins Land". Außerdem wird die Gruppe jedes Jahr zehn- bis zwölfmal bei internationalen Trachtentreffen gefordert und beklatscht. An Weinfesten in der näheren und weiteren Umgebung fehlt sie nie. Mit ihrer gezeigten Folklore festigt sie einen kulturellen Wert unserer Heimat und bewahrt traditionsreiches Volksgut.

Eine Vereinigung in Trachten ist auch die S c h r ö t e r z u n f t    T r a b e n - T r a r b a c h, - aber kein Verein im herkömmlichen Sinne. Sie bildete sich in Anlehnung an einen uralten Berufsstand und bewahrt der Zunft der Schröter die Tradition. Dieser Berufsstand hatte früher die Aufgabe, verkauften Wein in Fässern aus den Kellern der Winzer zu ,,schroten", auf Wagen durch die engen Gassen zu transportieren und auf die Schiffe zu verladen.

Alte Urkunden sprechen von den strengen Regularien einer solchen Zunft. Die Trachten der Schröter sind historisch belegt und werden bei allen festlichen Anlässen getragen. Die Mitglieder der Zunft handeln traditionsbewußt und hilfreich bei allen Anlässen. Ihr größtes Verdienst ist die Belebung und Erweiterung des Trabener Jakobstages - jeweils am letzten Wochenende im Juli eines Jahres - zu einem ,,Großen Zunftfest". Die alljährliche Wahl der Stadtweinkönigin obliegt ihren strengen Bräu­chen. Die Schröter besuchen auch andere Zunftfeste gleicher Art, repräsentieren Traben-Trarbach bei vielen Anlässen und gehören in ihren bunten Trachten zum Festbild der Stadt.

Gegründet wurde die Schröterzunft - streng genommen - im 17. Jahrhundert. Was sich seit 1958 durch die Straßen bewegt, ist nur die Fortsetzung dessen, was 1634 - in einer Zunftlade bewahrt - reglementiert wurde. Zunftmeister ist Georg Karl Storck, sein Zunftrat sind gewichtige Männer aus allen Berufsschichten, vornehmlich aus dem Winzerstand, und die Zunftmitglieder selbst sind Idealisten, denen im Bereich bewahrter Kultur und praktiziertem Brauchtum höchste Anerkennung gebührt.

Der E v a n g e l i s c h e  K i r c h e n c h o r  T r a b e n wurde im Jahre 1898 von Pfarrer Wendland, der auch die Leitung des Chores übernahm, gegründet. Der Chor machte es sich zur Aufgabe, die Festgottesdienste durch seinen Gesang zu verschönen und auch das Volkslied zu pflegen. Beim Fortgang von Pfarrer Wendland im Jahre 1901 stellte der Chor seine Tätigkeit bis zum Jahre 1907 ein. Pfarrer Becker, der damalige Seelsorger der Gemeinde Traben, rief den Kirchenchor neu ins Leben, übernahm den Vorsitz und setzte zunächst Lehrer Christmann' dann Lehrer Weirich als Dirigenten ein. Im März 1910 übernahm Pfarrer Kuhlmann, der neue Pfarrer der Gemeinde, den Vorsitz des Chores. Während des Ersten Weltkrieges setzte der Kirchenchor, bedingt durch die Einberufung der männlichen Chormitglieder zum Kriegsdienst, seine Arbeit als Frauenchor fort. Anfang 1921 konnte der Chor wieder als gemischter Chor auftreten. Nach siebenund­zwanzigjähriger Dirigententätigkeit mußte Lehrer Weirich 1933 sein Dirigentenamt aus politischen Gründen niederlegen und wurde zum Ehrendirigenten ernannt. Seine Nachfolge übernahm Willi Klohr bis Dezember 1935. Ihm folgte Arnold Achterberg bis Ende 1938. Willi Schmidt wurde danach zum Dirigenten gewählt. Infolge des Zweiten Weltkrieges kam der Chor von 1940 bis zum Sommer 1945 zum Erliegen.

Pfarrer Kaftan bat im Sommer 1945 die ehemaligen Mitglieder des Chores, die Proben wieder aufzunehmen und alle Mitglieder folgten gerne seinem Ruf. Auch Arnold Achterberg stellte sich als Dirigent wieder zur Verfügung. Es sammelten sich etwa 70 Mitglieder. Als einen Höhepunkt in der Arbeit des Kirchenchores aus dieser Zeit kann die Aufführung des Passions-Oratoriums ,,Hinauf gen Jerusalem" von August Rücker angesehen werden, das im April 1947 in der Trabener Kirche aufgeführt wurde. Alle Solo-Stimmen wurden von Mitgliedern des Chores gesungen. Es wurden insgesamt fünf Konzerte in den umliegenden Gemeinden durchgeführt. Der Reinerlös von 4000 RM kam der Evangelischen Gemeinde Wittlich zum Wiederaufbau ihrer zerstörten Kirche zugute.

Von 1948 bis November 1950 dirigierte Willi Schmidt den Chor, danach noch einmal bis 1952 Willi Klohr' der dann ebenfalls dieses Amt nicht mehr ausüben konnte. Vorübergehend stellte sich Kirchenmusikdirektor Kurig zur Verfügung, bis am 1. Oktober 1954 Rektor Wilhelm Michel das Amt des Dirigenten übernahm und den Chor bis zum 1. Oktober 1970 leitete. Auch Wolfram Irrgang sprang vorübergehend ein. Im Februar 1971 übernahm Kirchenmusikerin Frau Anni Wittkowsky die Dirigentenstelle und leitete den Chor sieben Jahre bis 1978. Nach der Sommerpause des Chores wurde am 1. September 1978 Frau Kirchenmusikerin Grote der Taktstock übergeben, den sie bis zum 31. Mai 1981 führte. Seit dem 1. August 1981 liegt die musikalische Leitung des Chores bei Kantor Jürgen Rehberg.

Die T r a r b a c h e r  K a n t o r e i wurde 1953 gegründet. Kirchenmusikwart der Syn­oden Trarbach, Sobernheim, Meisenheim und St. Wendel, Hans-Hermann Kurig, hatte die Möglichkeit, aus interessierten Stimmen der Kirchenchöre dieser Synoden eine übersynodale Chorgemeinschaft zusammenzustellen, mit der sich auch größere Chorliteratur erarbeiten ließ. Eine solche Gründung bot sich an, zumal sich damals zwischen Trier, Koblenz und Kreuznach kein ähnlicher Chor befand. Es war zunächst nur an einen synodalen Rahmen gedacht. Kirchenmusik sollte dorthin gebracht werden, wo sie selten zu hören war, und in Gemeinden, die selbst keinen Chor hatten.

Durch die räumliche Entfernung waren Proben nur in größeren Zeitabständen möglich. Das setzte dem Chor Grenzen. Die Gemeinden der Synode hörten Chorwerke von Prätorius, Bach, Vulpius und anderen Meistern. Auch in Simmern, Kirchberg und Kastellaun wurden Konzerte gegeben, so u. a. von fünf- bis sechsstimmigen Schütz­motetten oder von Distler und Pepping. 19 Sänger gastierten in den ersten Mona­ten.

Mit Hilfe eines englischen Ehepaares bekam der Chor Kontakte zu England. Er war mit Sicherheit der erste deutsche Chor, der nach dem Krieg 1956 in Gloucester sang, jedoch mit zurückhaltendem Echo. Doch bewahrheitet sich in den folgenden Konzerten bald die Musik als Brücke zur Verständigung. Eine herzliche und dauerhafte Freund­schaft in den kommenden Jahren belohnte das Arrangement. Ähnlich war auch das Echo in Amiens, wo französische Freunde die Wege ebneten. Der Chor verstärkte sich in den folgenden Jahren. Vom Flugplatz Hahn kamen hervorragende Stimmen, leider alle nur für kurze Zeit.

37 Sänger flogen 1971 nach Athen und gaben das erste Konzert in der evangelisch-grie­chischen Kirche am Hadriansbogen in der Nähe des Olympieions. Mehrere Konzerte folgten in diesem Land. Eine Gastreise führte 1973 nach Kreta. Der Chronist berichtet:

In Heraklion empfing uns der Erzbischof Evgenios und nach vielen Begegnungen und Konzerten beschlossen wir mit einem Chorgesang in der ehemaligen venetianischen Kirche von Heraklion diese Reise. Archäologische Exkursionen zu den minoischen Palästen vertieften das Verständnis zu diesem Land, das mit eine Wiege der europäi­schen Kultur war. Unvergeßlich das Singen auf dem minoischen Marktplatz von Gournia, auf dem vor 4000 Jahren das Leben pulsierte. 1976 erfolgte eine Einladung nach Istanbul. Das Morgenland mit seiner verwirrenden Vielfalt öffnete sich uns. Nach einem Ostergottesdienst wurden wir von dem Patriarchen von Konstantinopel in Audienz empfangen. Wir waren wohl der erste ökumenische Chor, der hier sang, in dieser Kirche, die einmal der Mittelpunkt der griechischen Orthodoxie war. Im Chor war indessen eine echte Ökumene durch die Sänger aus der katholischen Kirche, Church of England, Presbyterianer und anderen Gliedkirchen entstanden.

Die Literatur hat sich mit den Jahren erheblich erweitert. Der Chor singt außer den barocken Meistern nun auch Brahms, Bruckner, Reger, Mendelssohn. Zahlreiche Motetten aus der Feder des Kirchenmusikdirektors Hans-Hermann Kurig kommen zur Aufführung.

Nach Auflösung der Synode Trarbach und Eingliederung in die Synode Simmern nennt sich der Chor ,,Trarbacher Kantorei"; wie der Chronist meint: Nach der Stadt, aus der wir kommen und deren Namen wir in die weite Welt tragen. Aber es ist nur die halbe Stadt.

1983 ist der Chor dreißig Jahre alt geworden. Kirchenmusikdirektor Hans-Hermann Kurig hat die Leitung an den Organisten und Chorleiter Jürgen Rehberg abgegeben. Eine neue Generation hat die alte abgelöst, bewahrt aber das Erbe dieser Chorgemeinschaft auf internationaler Ebene.

Die Gründung des Evangelischen Kirchenchores Trarbach geht auf das Jahr 1900 zurück. Nach der Chronik ist der Initiator Pfarrer Schütz, der auch den ersten Vorsitz übernahm. Der Kirchenchor war weit davon entfernt, ein eingetragener Verein zu sein. Deshalb gab es auch keine Statuten oder einen Ersten Vorsitzenden mit Vorstand im Sinne eines Vereins. Singen in den Gottesdiensten der evangelischen Kirche Trarbach an Festtagen und bei kirchlichen Anlässen war der einzige - aber gottgefällige - Anlaß, sich zu einer Chorgemeinschaft zusammenzuschließen.

In der Chronik heißt es: Auf Einladung durch die Zeitung und Bekanntmachung von der Kanzel versammelten sich am 12. November 1900 etwa 60 Männer und Frauen im Bürgersaale des Trarbacher Rathauses, um die Gründung eines Kirchenchores zu besprechen. Dem Wort folgte die Tat. Den Vorsitz und das Amt des Dirigenten übernahm Herr Pfarrer Schütz. Damit wurde der 12. November 1900 der Geburtstag des Kirchenchores.

Innerhalb von acht Tagen hatte der Chor eine Mitgliederzahl von 69 aktiven und 40 passiven Mitgliedern. Am 4. Januar 1901 wurden sogar Stimmen laut, die mehr Zurückhaltung bei der Aufnahme neuer Mitglieder verlangten, da Platzmangel auf der Empore der Kirche zu befürchten sei. Aber dieser Zulauf hielt nicht lange an. Es kam mehrmals eine Periode der Lauheit und Teilnahmslosigkeit (1907).

1908 konnte der Chor wieder im Gottesdienst mitwirken, aber Ende 1910 verließ Pfarrer Schütz die Stadt. Der Vorsitz ging an Professor Walther über. Da kein geeigneter Dirigent vorhanden war, entschloß man sich, den Chor ruhen zu lassen. Im Oktober 1912 übernahm dann Lehrer Lanz den Chor, den er bis 1925 führte. Sein Nachfolger wurde Ph. Bauer. Unvergeßlich werden dem Chor auch Rektor Rau und Rektor Klages bleiben, die nach 1945 sich dem Chor mit ganz besonderer Liebe zur Verfügung stellten, nachdem er während des letzten Krieges völlig geschwiegen hatte.


Nach dem Krieg wurde der Chor, der noch aus ca. 20 aktiven Sängern und Sängerinnen besteht, in den Jahren 1951 bis 1977 von Hans-Hermann Kurig dirigiert. Die Leitung der weiteren Chorkonzerte sind ab 1978 Frau Christa Gestrich in die Hände gegeben.

 

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